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Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

29.10.2009
Nr. 156/09
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1000 Jahre Goldener Steig

Im Lossnitzer System zwei Kilometer südwestlich von Bergreichenstein ist der heutige Hohlweg-Charakter des Goldenen Steiges auf ca. 1800 Meter Länge noch gut erhalten.
Foto: P. Zavřel

Im Lossnitzer System zwei Kilometer südwestlich von Bergreichenstein ist der heutige Hohlweg-Charakter des Goldenen Steiges auf ca. 1800 Meter Länge noch gut erhalten. Foto: P. Zavřel

Vortrag im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald

(Pö) Wenn im nächsten Jahr die Feierlichkeiten zu "1000 Jahre Goldener Steig" stattfinden, heißt das keineswegs, dass es diese alten Handelswege seit 1000 Jahren gibt. "Vor 1000 Jahren wurden die Goldenen Steige erstmals urkundlich erwähnt", stellte der Leiter des Waldgeschichtlichen Museums St. Oswald, Christian Binder, in seinen Begrüßungsworten zu Beginn eines interessanten Vortrages der Geschichtsforscher Dr. F. Kubu und Dr. P. Zavrel im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald fest.

Dr. Kubu untermauerte diese Aussage mit dem Fund eines Schwert-Fragments aus der Bronzezeit, das darauf schließen lässt, dass es die alten Handelswege in Wirklichkeit schon viel länger gegeben haben könnte - nämlich seit der Bronzezeit vor gut 3000 Jahren!

Wie die zahlreichen Ablichtungen von Urkunden, alten Karten, Bauzeichnungen und Fotos belegen, haben die beiden Forscher im Auftrag der Museen Prachatice und Ceske Budejovice in 20 Jahren akribischer Arbeit sehr detailliert Verlauf, Bauweise und begleitende Einrichtungen wie Wachtürme, etc. in ungezählten Begängen, Ausgrabungen und endlosen Nachforschungen in historischen Archiven Stück für Stück mehr Licht bis in das bis dahin vorherrschende Dunkel gebracht - zumindest in den böhmischen Teil der Goldenen Steige. Den bayerischen Steigen widmen sie sich seit diesem Jahr und wollen ihre von der Uni Passau im Rahmen eines EU-Projektes in Auftrag gegebenen Forschungen bis zum Jubiläumsjahr 2010 abschließen.

Als Goldene Steige bezeichnet man jenes historische Handelswegesystem, das von Passau nach Außernbrünst und von dort - in drei Öste verzweigend - nach Böhmen führt. Der älteste Ast erreicht Prachatice, der mittlere Vimperk und der jüngste Kasperske Hory. Das Publikum vermisste sofort den alten Handelsweg von Grafenau über die Blauen Säulen nach Kasperske Hory, worauf Dr. Kubu erklärte, dass es sich hier um die sog. "Guldenstraß" handelt, die nicht zu den eigentlichen Goldenen Steigen gezählt wird.

Transportiert wurden hingegen laut Dr. Kubu auf allen historischen Handelswegen von Bayern nach Böhmen die gleichen Waren, nämlich das "weiße Gold" Salz, Tuchwaren, Gewürze und sogar Südfrüchte nach Böhmen sowie Felle, Kreide, Harz und Butter nach Bayern.

Dr. Kubu lud seine Zuhörer mittels zahlreicher Dias zu einer "Reise" auf den Goldenen Steigen ein. Dabei war auffallend, dass diese alten Handelswege heute - verursacht durch Wasser-Erosion - als bis zu sechs Meter tief eingeschnittene Wege im Wald zu finden sind. Bis zu sechs solcher Hohlwege liegen nebeneinander und dokumentieren indirekt den damals regen Handelsverkehr. Denn war ein Weg durch die hohe Beanspruchung unpassierbar geworden, legte man parallel dazu einen neuen an. Nicht selten wurden die Wege in Teilbereichen sogar gepflastert. Fotos von Ausgrabungen und Rekonstruktionen von Dr. Kubu und Dr. Zavrel belegten diese aufwendige Bauweise.

Dr. Kubu erzählte in seinem interessanten Vortrag neben den Blütezeiten auch von den Rückschlägen des Handels auf den Goldenen Steigen. So haben die Hussitenkriege im frühen 15. Jahrhundert und ganz besonders der 30-jährige Krieg (1618 - 1648) den Goldenen Steigen schwere Schläge versetzt. Ganz erloschen ist der Handel auf ihnen schließlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Für die sog. Säumerorte entlang der Handelswege bedeutete dieses Aus ebenfalls den wirtschaftlichen Ruin, denn die Säumer, die in Karawanen zogen, übernachteten nach Tagesmärschen von 20 bis 25 Kilometern in den Wirtshäusern der Säumerorte, speisten dort, nahmen Verpflegung auf und ließen auch ihre Pferde neu beschlagen. So entstand neben dem Handel der Säumer ein wichtiges Gewerbe für die Schmiede und Wirtsleute.

In der abschließenden Diskussion mit den Zuhörern ließ Dr. Kubu seine Freude über die noch bevorstehende Erkundung der Goldenen Steige auf bayerischer Seite durchblicken in der Hoffnung, noch weitere interessante Details über die alten Handelswege zu entdecken.

Bildunterschrift:
Im Lossnitzer System zwei Kilometer südwestlich von Bergreichenstein ist der heutige Hohlweg-Charakter des Goldenen Steiges auf ca. 1800 Meter Länge noch gut erhalten.
Foto: P. Zavrel

 

 



 

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