Kein Baum wie er im Buche steht

Einblicke in die neue Dauerausstellung im Haus zur Wildnis

Eintrag Nr. 03/2024
Datum:


Kernelement der neuen Dauerausstellung ist ein ...
Kernelement der neuen Dauerausstellung ist ein ...

... teils begehbarer, zweistöckiger Laubbaum. Fotos: Johannes Haslinger
... teils begehbarer, zweistöckiger Laubbaum. Fotos: Johannes Haslinger

Auch ein Totholz-Stamm mit Wurzelteller wird groß in Szene gesetzt.
Auch ein Totholz-Stamm mit Wurzelteller wird groß in Szene gesetzt.

Ebenso der Baumnachwuchs, welcher von alten, absterbenden Bäumen profitiert.
Ebenso der Baumnachwuchs, welcher von alten, absterbenden Bäumen profitiert.

Interaktive Elemente laden zum Entdecken ein.
Interaktive Elemente laden zum Entdecken ein.

Ludwigsthal. Nach einer Bauzeit von drei Jahren ist die neue Dauerausstellung mit dem großen Baum im Haus zur Wildnis fertig. Unzählige kleine und große Rädchen haben ineinandergegriffen, damit das deutschlandweit einzigartige Projekt umgesetzt werden konnte.

Über Nacht hat es dicke Flocken geschneit. Das Gelände rund ums Nationalparkzentrum Falkenstein ist weiß. Draußen, in der Natur, hat der Herbst dem Winter das Feld überlassen. Drinnen, im Haus zur Wildnis, ist der Leiter Achim Klein dafür zuständig, dass sich die Jahreszeiten ändern. Es funktioniert ganz einfach – elektrisch per Knopfdruck. Und spiegelt sich in der Farbe der Blätter des über zwei Stockwerke großen Baumes wieder. Das herbstliche Gelb, Braun und Rot verschwin¬det, Weiß und ein kühles Blau tauchen den insgesamt 860 Quadratmeter großen Ausstellungsraum in ein winterliches, frostiges Licht. „Der Baum ist der Hingucker und Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung“, freut sich Achim Klein und lädt eine Schulklasse, die an der Infotheke gerade mit einer Führung beginnt, dazu ein, das Gebilde zu entdecken.

Eichelhäher, Eichhörnchen, Eberesche und Co.

Der Baum ist Heimat für das Eichhörnchen und für den Eichelhäher. Er hat Bucheckern und genauso Ahornsamen. Verschiedene Pilzarten wachsen auf ihm. Ein Mistelzweig ist zu sehen, ebenso Beeren von der Eberesche. Es ist ein buntes Durcheinander. So einen Baum wird man draußen, in der Realität nicht finden. „Aber hier drinnen können wir mit diesem Baum als Nationalparkverwaltung das erklären, was für uns so wichtig ist“, sagt Achim Klein. „Wir wollen die Hauptprozesse, die die Entwicklung der Wälder des Nationalparks antreiben, vorstellen - die natürliche Dynamik erklären.“ Der alte Laubbaum steht für die langsame und sukzessive Entwicklung von Wäldern. An ihm werden die besonderen Lebensräume und Arten alter Wälder vorgestellt. Der danebenliegende, aufgeklappte Wurzelteller zeigt, wie wichtig ökologische Störungen sowie Totholzstrukturen sind. „Durch die Philosophie ,Natur Natur sein lassen‘ entstehen wertvolle Lebensräume und dies führt zu einer einzigartigen Artenvielfalt.“

So einzigartig wie die Artenvielfalt in der Natur des Na¬tionalparks ist, so einzigartig war auch der Bau des Baums. „Wir gehen in unserer Arbeit immer wieder auf Sonderwünsche ein“, sagt Projektleiter Jörg Fischer von der Ausstellungsbau-Firma Seiwo Technik. „Aber ein vergleichbares Projekt wie dieses haben wir noch nie gemacht.“ Bereits der Aufbau des Stahlgerüstes war eine Herausforderung. Mit Kränen wurden die schweren Teile aufeinander gebaut bis das Skelett des Baumes stand. Und dann ging mit der Verkleidung des Konstruktes eine wahre Puzzlearbeit los. 3600 Teile, von denen keines dem anderen glich, mussten ineinandergesteckt und miteinander verbunden werden. Jedes Teil hatte unterschiedliche Winkel, damit es exakt auf die benachbarten Elemente passte. „11.000 Schnitte mussten von Hand gemacht werden“, erzählt Jörg Fischer. Je höher der Baum wurde, desto kleiner waren die Teile. Während die Elemente, die den dicken Baumstamm bilden, vergleichsweise einfach zusammengefügt werden konnten, war die Arbeit in den Astenden mit nur wenigen Zentimeter großen Teilen Sisyphusarbeit.

Achim Klein: "Hier waren Zauberer am Werk"

Als die Hülle des Baumes letztendlich fertig war, standen die Macher der Ausstellung vor der nächsten Schwierigkeit – der Farbgebung. „Es ging nicht nur darum, dass die Farbtöne gut aussehen und zum Baum und dessen Bewohnern passen“, erinnert sich Achim Klein. „Wir mussten auch die Brandschutzvorgaben erfüllen und konnten nur spezielle Farben verwenden.“ Am Ende lief bei den Malerarbeiten alles reibungslos, „hier waren Zauberer am Werk“, schwärmt Achim Klein.

In der Zwischenzeit ist die Schulklasse am Baum angekommen. Die Schülerinnen und Schüler probieren die interaktiven Elemente aus, entdecken die versteckte Spechthöhle und lernen vieles über Pilzarten, die an Bäumen wachsen. Es wurlt wie in einem Ameisenhaufen. Ein Anblick, den Achim Klein nach der dreijährigen Bauzeit genießen kann. „Am Anfang hatten wir ein kleines 3-D-Modell – nun steht dieser wunderbare Baum in der Mitte vom Haus zur Wildnis und lockt viele Besucher an.“ Der Baum ist das Highlight der neuen Dauerausstellung. Einer Ausstellung, die gerade in einer Zeit, in der sich das Bild der Wälder in der Umgebung dramatisch ändert, Einblicke und Erklärungen gibt.

 

Video: Mit der Drohne durch das Haus zur Wildnis

Auf dem YouTube-Kanal des Nationalparks ist ein Video veröffenlticht, welches die Ausstellung im Haus zur Wildnis spektakulär in Szene setzt. Denn: Dabei fliegt eine Mini-Drohne einmal quer durch die Einrichtung, um es aus einem ganz besonderen Perspektive zu zeigen.

 

Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser wilder Wald". Die komplette Publikation ist auch als PDF-Version auf der Nationalpark-Homepage abrufbar.

Zum Seitenanfang scrollen nach oben