Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

Urwälder im Falkenstein-Rachel-Gebiet

Urwald im Falkenstein-Rachel-Gebiet (Foto: Alice Alteneder)

Urwald-Erlebnis

Im Gebiet rund um den Großen Falkenstein entstanden schon vor sehr langer Zeit, teilweise schon vor mehr als 200 Jahren, Schutzgebiete, die heute zu den bedeutendsten und ältesten Urwaldresten in Mitteleuropa zählen. Für die Besucher des Nationalparks gehören sie neben den Berggipfeln und Schachten im Nordwest-Teil des Nationalparks zu den großen Sehenswürdigkeiten. Sie sind durch besonders attraktive Wanderwege erschlossen.

Geschichte und Entstehung der Schutzgebiete

Uralte Wege durchqueren den Böhmerwald. Sie verbinden den Donauraum mit dem Königreich Böhmen und wurden deswegen in unserer Region "Böhmwege" genannt. Sie waren gleichzeitig aber auch eine Gefahr in Kriegszeiten als mögliche Einfallspforte für feindliches Militär. Insbesondere das 18. Jahrhundert war geprägt durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Böhmen. Zunächst militärische Überlegungen veranlassten die bayerischen Herzöge, die grenznahen Wälder entlang von Straßen nicht zu nutzen. Im Konfliktfall konnte man durch die Anlage eines "Verhaus" die Straße unpassierbar machen. Dieser Strategie verdanken wir z.B. das Urwaldgebiet "Mittelsteighütte". Andere Regionen waren weit weg von den Siedlungen und so schwer zu erschließen, dass man eine Holznutzung zunächst zurückstellte. Die felsigen Steilhänge auf den Osthängen des Großen Falkensteins wurden großräumig als urwaldartig beschrieben, als die planmäßige Holznutzung im Bayerischen Wald vor etwa 150 Jahren einsetzte. Schon damals wurde der besondere Wert solcher Urwaldreste wie z.B. da s"Höllbachgespreng" erkannt. Der bayerische König Max I. verfügte in der Mitte des 19. Jahrhunderts, dass solche bedeutende natürliche Waldbestände aus der Vergangenheit auf Dauer von einer Nutzung ausgenommen werden sollen. Formalrechtlich wurden sie erst im Jahr1914 unter Schutz gestellt.

Urwalderlebnisweg Watzlik-Hain

Dieser urwaldartige Waldbestand kann auf dem Weg zum Schwellhäusl durchquert werden. Vom Rundweg Schwarzstorch bzw. von der Wanderlinie mit dem "Grünen Dreieck" gibt es eine Abzweigung, die mitten durch die Baumriesen und die Wildnis aus stehenden und liegenden Baumleichen führt. Da auf diesem unmarkierten Weg keine Maßnahmen zur Gefahrenabwehr durchgeführt werden, ist besondere Vorsicht geboten. Es wird empfohlen, ihn bei stärkerem Wind nicht zu benutzen.

Urwaldgebiet Mittelsteighütte

Unmittelbar hinter den Häusern der Ortschaft Zwieslerwaldhaus beginnt das 38 ha große, alte Schutzgebiet, das auf bequemen Wanderwegen begangen werden kann. Der markierte Wanderweg kann von verschiedenen Ausgangspunkten benutzt werden. Weitere Wanderwege durchqueren das Gebiet mit seinen mächtigen Tannen, Buchen und Fichten, so z.B. die Wanderlinie mit dem "Grünen Dreieck" (ab dem Gasthaus Zwieselerwaldhaus.

Urwaldgebiet Höllbachgespreng

In den Steilhängen oberhalb der Höllbachschwelle (Kleiner Stausee) befindet sich der Ursprung (Gespreng!) des Höllbaches. Dieses besonders urtümliche, düstere Waldstück mit einem Wasserfall und haushohen Felswänden mit Schwefelflechte wurde von den Menschen früher wohl eher gemieden. Wahrscheinlich vermuteten unsere Vorfahren hier den Eingang zur Hölle. Heute verlaufen durch dieses Gebiet mehrere markierte Wanderwege. Ausgangspunkte für eine Wanderung sind die Parkplätze in Zwieslerwaldhaus, in Scheuereck und an der Weißen Brücke.