Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

Seelensteig

Der Seelensteig (Foto: Maria Hußlein)

Der Seelensteig - ein Zukunftsfenster in die natürliche Waldentwicklung

Mit der Gründung des Nationalparks Bayerischer Wald im Jahr 1970 wurde die Holznutzung schrittweise reduziert und nach 20 Jahren eingestellt. Heute dürfen sich im Lusen-Gebiet und ab dem Jahr 2027 nach einer kontinuierlichen Erweiterung der Naturzonen im Falkenstein-Gebiet die ehemaligen Wirtschaftswälder ohne menschliche Eingriffe auf nahezu 20.000 Hektar zusammenhängender Waldfläche nach ihren ureigenen Gesetzen frei entwickeln. Lediglich in einem mindestens 500 m breiten Randbereich wird zum Schutze angrenzender Wälder bei Bedarf der Fichtenborkenkäfer bekämpft.

Aus jahrhundertelang forstlich genutzten Wäldern entstehen abwechslungsreiche und meist stabilere Naturwälder. Ereignisse wie Sturm und Borkenkäfer beschleunigen diesen einzigartigen Walderneuerungsprozess.

Um das Erlebnis der Geburt eines wilden Waldes auch in schwer zugänglichen Naturwäldern zu ermöglichen, wurde im Sommer 1995 ein typischer Fichten-Tannen-Buchen-Bergmischwald, in dem seit ca. 50 Jahren keine Holznutzung mehr stattfindet, durch einen 1,3 km langen Holzsteg naturschonend erschlossen. Dabei wurde kein Baum durchtrennt. Hindernisse sind mit Treppen überbaut, auch um zu demonstrieren, dass die ungestörte Walddynamik hier Vorrang hat.

Der Gedanke, bei einer Vernissage in der Natur seinen Gefühlen zum Wald freien Lauf zu geben, seine Seele baumeln zu lassen, gab dem Steg seinen Namen - Seelensteig. Er gibt tiefe Einblicke in die ungeahnten Selbstheilungskräfte der Natur. Die bedankt sich mit einem einzigartigen Schauspiel, lässt uns den ewig währenden Kreislauf “Wachsen, Werden und Vergehen” erleben und schenkt uns Vertrauen in die Entwicklung der seit 1996 ablaufenden großflächigen Walderneuerung im Bergfichtenwald. Durch seinen zeitlichen Vorsprung wird dieser Vorgang am Seelensteig zu einem Zukunftsfenster in die natürliche Waldentwicklung.