Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

Glasarchepfad

Die Glasarche im Waldmeer (Foto: Alice Alteneder)

Glasarche in Europas wildem Herz

Am Lusen, zwischen Teufelsloch und Himmelsleiter, nahe der tschechischen Grenze, liegt ein grün schimmerndes, fünf Meter langes Schiff. Es besteht aus 480 miteinander verbundenen Glasscheiben und wird von einer Hand aus Eichenholz gehalten: die Glasarche.

Warum eine Arche?

Eine Arche für die Natur

Die Arche symbolisiert einen Rückzugsort für die Natur, in dem ihr Eigenwert respektiert wird - wie in den beiden Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava. Die Arche versinnbildlicht das christliche Symbol der Verantwortung der Menschheit für die Schöpfung.

Eine Arche über alle Grenzen hinweg

Das deutsch-tschechische Kunstobjekt ist Ausdruck der Überzeugung, dass der gemeinsame Natur- und Kulturraum des bayerisch-böhmischen Grenzgebirges nur gemeinsam weiterentwickelt werden kann. Dabei muss auch das Denken Grenzen überwinden.

Eine Arche für die Glastradition

Das gläserne Schiff steht außerdem für die jahrhundertealte Bedeutung dieser Waldlandschaft als weltweit berühmte Glasregion. Bis heute ist das Glasgewerbe ein einzigartiges Kulturgut, in dem jedoch in den letzten Jahren zahlreiche Arbeitsplätze verloren gingen.

Das Projekt “Glasarche im Waldmeer Europas”

Fünf Jahre lang reiste die Glasarche durch das “Waldmeer Europas”, durch die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava. Träger des Projektes war der Verein WaldZeit e. V., Kooperationspartner die beiden Nationalparke, denen sich viele weitere Partner anschlossen. Die Glasarche wurde entworfen und konzipiert von Ronald Fischer und Hubert Stern und gemeinsam mit Glaskünstlern aus der Region gebaut. Die tschechischen Holzbildhauer Tomas Indra und Libor Kus´das schufen im Auftrag des Nationalparks Šumava die hölzerne Hand, die die Arche seit 2004 begleitet und trägt.

An 20 Standorten im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet ging das gläserne Schiff vor Anker. Jeder Standort war mit einer anderen Aktion verbunden. Es gab künstlerische Workshops, Projekttage mit Schulklassen in den Glashütten, geführte Wanderungen durch die Wildnis der Nationalparke, Lesungen und Veranstaltungen zur Geschichte und Kultur der Grenzregion. Eines aber hatten alle Veranstaltungen gemeinsam: Sie führten die Menschen der Region zusammen.

Die Reise der Arche durch den Šumava fiel 2004 mit dem Beitritt Tschechiens zur EU zusammen. 2005, als die Glasarche vor den Glashütten stand, wurde gleichzeitig ein großer Arbeitsplatz-Abbau in der Glasindustrie verkündet. Das Projekt war also stets aktuell.

Auf Berggipfeln, inmitten der Wildnis der Nationalparke, vor Glashütten und auf Kirch- und Stadtplätzen gab die Gläserne Arche daher oft Anstoß für Gespräche über die Naturschutz- und Wildnisphilosophie der Nationalparke, zur Zukunft der Glasindustrie in der Region und zu einer gemeinsamen Zukunft der Menschen beiderseits der Grenze.

Die Glasarche am Lusen

Am Ende schließt sich der Kreis, und die Arche kehrt wieder an den Fuß des Lusens zurück. Hier begann ihre Reise mit großer Anteilnahme der Menschen aus der Region, die die Arche mit gemeinsamer Anstrengung auf den Berg zogen.Inmitten des sich wandelnden Waldes kann die Glasarche als Kunstwerk zwischen der Natur und den Menschen vermitteln.Sie lädt ein zum Verweilen und Innehalten, schafft Raum, um eigene Gedanken schweifen zu lassen, aus der Vergangenheit in die Zukunft.

Arche-Pfad

Die märchenhafte Landschaft des Bergdorfes Waldhäuser inspirierte schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts Maler und Bildhauer zu ihren Werken. Die historischen und zeitgenössischen Spuren der Kunst rund um den Lusen verbindet der Arche-Pfad, über den auch die Glasarche erreicht werden kann. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch und Natur lädt ein zum Nachdenken über Schöpfung - Verantwortung und Zukunft.

Arche - Heinz Theuerjahr

Am Parkplatz “Waldhäuser Ausblick”, unmittelbar neben dem Atelier von Heinz Theuerjahr, beginnt der Arche-Pfad. Hier hat der bedeutende Bildhauer, Maler und Grafiker 50 Jahre gelebt und gearbeitet. Die einfache Kontur des Tieres auf dem Blatt oder als Plastik vermittelt alles: Art, Wesen, Bewegung, Angst und Majestät.

Öffnungszeiten: 1. Mai bis 29. Oktober, Do bis So und Feiertage, 14 - 18 Uhr

Lebenszeichen in totem Holz

Der Arche-Pfad führt auf dem Weg zur Glasarche über den Waldhäuserriegel (Markierung Grünes Dreieck). Unter Leitung der Bildhauerin und Malerin Gretel Eisch entstanden dort in Baum geschnitzte Lebenszeichen. Die Teilnehmer von Workshops schnitzten in stehende Totholzsäulen ihre ganz persönlichen Zeichen und traten so in einen Dialog mit den abgestorbenen Bäumen. Die entstandenen Kunstwerke sind nun Teil des natürlichen Kreislaufs vom Werden und Vergehen. Einige der Kunstwerke können vom Weg aus entdeckt werden.