Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

Jugendwaldheim Wessely Haus

Jugendwaldheim vor Umbau

Geschichte des Jugendwaldheims

Vom Zollhaus zur ökologischen Umweltbildungsstätte

Es quakt, es heult, es bellt – nach kurzer Zeit haben sich die „Wölfe“, die Frösche“ und die „Luchse“ gefunden – und schon geht es los auf einen Streifzug durch die Wälder ums Jugendwaldheim. Die Rede ist von Schülerinnen und Schülern, die einen Wochenaufenthalt im Jugendwaldheim – Wessely-Haus – oder eine Tagesveranstaltung gebucht haben.

„Eine wesentliche Funktion kommt dem Jugendwaldheim zu, das im unmittelbaren Vorfeld des Nationalparkes entsteht. Wir fühlen uns verpflichtet, der einseitig von den Errungenschaften der modernen Zivilisation beeinflussten Jugend den Lebensraum „Wald“ zu erschließen, in dem der Mensch beispielhaft seine Rolle als ein Geschöpf der umfassenden Lebensgemeinschaft der Natur erkennen und erleben kann.“ (AFZ Nr. 17/1973)

Diese Worte des damaligen Staatsministers Dr. Hans Eisenmann waren die Grundlage für eine heute fast 40jährige Erfolgsgeschichte im Bereich der Umweltbildung.

Im September 1970 fasste der Bayer. Landtag den Beschluß zur Errichtung eines Informationszentrums und auch den Bau eines Jugendwaldheimes zwischen Neuschönau und Mauth. Schon seit längerem hatte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald diesen Wunsch an die Bayer. Staatsforstverwaltung herangetragen.

Die 1937 als Zollhaus erbauten Gebäude wurden durch den überraschenden Kriegsbeginn aufgelöst und blieben etliche Jahre unbewohnt. Nach dem Krieg bezogen Heimatvertriebene aus dem Sudetenland das „große“ Zollhaus, das „kleine“ wurde als Forstamt genutzt.

Durch die Auflösung des Forstamtes und die forstliche Umorganisation wurden die beiden Häuser bei Schönbrunn frei und boten sich als Standort für ein Jugendwaldheim an.

1974 wurden diese beiden Gebäude miteinander durch einen Zwischenbau, dem heutigen Speisesaal und Küche, verbunden. Eine Hausmeisterwohnung wurde eingerichtet. Die Kosten des Umbaus durch das Landbauamt Passau beliefen sich einschl. der Erstausstattung auf 1 Mio. DM.

Am 7. Oktober wurde anlässlich einer Fachbeiratssitzung durch Dr. Hans Eisenmann und dem Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – Landesverband Bayern, Dr. Rudolf Hanauer das Jugendwaldheim eröffnet. Im Frühjahr 1975 bezog die erste Gruppe – eine Klasse aus NRW die Räume des Jugendwaldheimes. Bis heute waren etwa 1750 Gruppen mit über 40.000 Teilnehmern zu Gast.

Ähnlich wie in den Jugendwaldheimen anderer Bundesländer stand auch hier das Wecken des Verständnisses für die Natur insbesondere für das Ökosystem Wald über praktische Tätigkeiten im Vordergrund. Über 50.000 Arbeitsstunden wurden von den Teilnehmern in Arbeitseinsätzen in den Anfangsjahren geleistet. Im Gegenzug waren Verpflegung und Unterkunft frei.

In den Jahren 1993/94 wurde durch die großzügige Erbschaft der Familie Wessely aus München das Jugendwaldheim in seiner Kapazität erweitert sowie umfassend modernisiert und dem gewandelten Auftrag entsprechend zu einer waldökologischen Bildungsstätte weiterentwickelt.

Im Jahr 2009 wurde das durch die EU-Interreg IVa – Bayern - Österreich geförderte Projekt „Natur-Mensch-Technik“ gestartet. Dazu entsteht ein Anbau am Jugendwaldheim mit Seminarraum und PC-Arbeitsraum. Damit verbunden sind eine Weiterentwicklung des bisherigen Konzeptes und eine Ausweitung der Zielgruppe bis hin zur Oberstufe der unterschiedlichen Schultypen. Über die Begeisterung der Jugendlichen für Technik sollen diese wieder in Projekttagen und -wochen an Natur herangeführt werden.

Im Laufe seines Bestehens hat sich das Jugendwaldheim zum Zentrum der Schulklassenbetreuung im Nationalpark entwickelt, ganzjährig findet heute eine umfassende und abwechslungsreiche Betreuung statt.