Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Alles hängt voneinander ab!

Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch den Menschen.

Alle Dinge sind miteinander verbunden.
Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört der Erde.

Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an..

Teil der Rede des Häuptlings Seattle vom Stamme der Duwamisch-Indianer im Gebiet Washington State, 1855



Wald ist mehr als die Summe der Bäume

Wald ist das Miteinander und Füreinander von Pflanzen und Tieren,
sichtbaren und unsichtbaren, jungen und alten auf engstem Raum wie auf großer Fläche
Wald lehrt uns, daß Monotonie den Geist verdüstert und das Leben gefährdet:
Nur der aus Laub- und Nadelbäumen gemischte, am selben Ort jung und alt gestufte Wald ist heiter und standhaft.

Wald lehrt uns auch Menschlichkeit. Er zeigt dem Wissenden, daß nicht nur das Vollkommene, sondern auch das Kranke dem Gesamtorganismus einer Gesellschaft unverzichtbare Dienste leistet: So wie im Menschen die Krankheit, die nicht banal ist, existenzielle Gedanken nährt, so nährt der im Kern kranke Baum eine Unzahl von Bakterien, Pilze und Insekten, die aus der sterbenden Biomasse der Blätter, Zweige, Rümpfe neuen Waldboden machen oder anderen Tieren als Nahrung dienen. ...

Auch lehrt der Wald uns den Sinn des Sterbens: eine junge Tanne kann zwei Menschenalter lang unter dem dichten Kronendach einer alten Buche leben, armdick dann nur, wenige Meter hoch und mit Jahresringen dicht an dicht. Erst wenn die Riesin fällt und der Sonne den Weg freimacht, wächst die Tanne los.

So verjüngt sich der Wald. Es sterben seine Individuen, sein Leben ist ewig.

Mehr noch als sein Holz, mehr noch als die Atemluft, die er uns kühlt und säubert, das Wasser, das er uns filtert und bewahrt, die Stille die er schafft, und den Boden, den er festhält, brauchen wir seine geistigen Wohlfahrtswirkungen: Der Wald nicht nur als grüne Menschenfreude, sondern als Ort, an dem das uns verlorengegangene Naturmaß bewahrt wird. Doch sieht unsereiner nur, was er weiß.

Horst Stern



1. Start 8. Tieren auf der Spur
2. Zur Ruhe kommen 9. Lebensraum Totholz
3. Mit Schwung hinein 10. Der Boden lebt
4. Naturklänge 11. Alles hängt voneinander ab
5. Mit sehenden Füßen und Händen 12. Nationalpark-Einsichten
6. Rund um den Baum 13. Die Waldwiese
7. Märchenwald Zurück zur Übersichtskarte

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