Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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20 Jahre "Praktikum für die Umwelt"

Praktikantin Franziska Knüppel erklärt beim "Tag der Offenen Tür" in der bayerischen Staatskanzlei Gästen das Projekt "Tierisch wild" der Nationalparkgemeinden.Es begann im Jahr 1989 - also in einer Zeit, die in etwa dem Geburtsjahr der heutigen Praktikanten für die Umwelt entspricht -, als der Bildungsreferent der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Lukas Laux die Idee hatte, naturbegeisterte Studenten für die Arbeit in Nationalparken zu gewinnen.

Mit der Commerzbank in Frankfurt wurde auch schnell ein Sponsor gefunden, der sich nicht nur das berühmte "grüne Mäntelchen" anziehen wollte, sondern bis heute trotz Wirtschaftskrise voll hinter dem Projekt steht und es entsprechend unterstützt.

Ziel war und ist, die deutschen Großschutzgebiete, also Nationalparke, Naturparke und Biosphärenreservate, in ihrer nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen und für sie gleichzeitig mehr Gehör in der Öffentlichkeit zu verschaffen.

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, bekommen Studierende Jahr für Jahr die Möglichkeit, in einem deutschen Großschutzgebiet ein drei bis sechs Monate dauerndes Praktikum zu leisten, dessen Kosten - das Praktikantengehalt in Höhe von 250,- Euro zuzügl. Sozialleistungen und unentgeltliche Unterkunft - die Commerzbank Frankfurt alleine trägt. Der Kooperationspartner Europarc Deutschland übernimmt die fachliche Betreuung sowie die organisatorische Unterstützung.

WDie ehemalige Praktikantin für die Umwelt Janett Häusler im Waldspielgelände mit Kindern auf "Schatzsuche".as Laux und Commerzbank damals nicht einmal erahnen konnten, trat sehr bald ein, nämlich eine Erfolgsstory ohne Ende, die von der UN-Vollversammlung im Jahr 2004 mit der Auszeichnung "Weltdekade - Bildung für nachhaltige Entwicklung" gekrönt wurde.

50 bis 70 Praktikanten pro Jahr werden aus zahlreichen Bewerbungen ausgewählt und zunächst eine Woche lang in den Wäldern des Nationalparks Bayerischer Wald auf ihre künftige Tätigkeit in den deutschen Großschutzgebieten vorbereitet.

Jetzt, im Jubiläumsjahr, dürfen Organisator und Sponsor zu Recht stolz sein, weit mehr als 1.000 Praktikanten für die Umwelt die Möglichkeit geboten zu haben, die einzigartige Natur der deutschen Großschutzgebiete kennenzulernen und dabei in der Betreuung junger Menschen unglaublich viel Erfahrung im Umgang mit der Natur für das Studium und das ganze weitere Leben gesammelt zu haben.

Das Kennenlernen junger Menschen aus aller Welt bei den Vorbereitungen zum Welt-Jugendgipfel "Go4Biodiv" im Wildniscamp am Falkenstein war ein Höhepunkt des Praktikums für die Umwelt.Achim Klein leistete sein Praktikum für die Umwelt im Jahr 2000 im Nationalpark Bayerischer Wald ab und ist noch heute voll des Lobes: "Das Praktikum für die Umwelt war für mich der Einstieg in meine berufliche Laufbahn. Vom Nationalpark Bayerischer Wald war ich so begeistert, dass ich über das Praktikum hinaus gerne in weiteren Projekten mitgearbeitet habe und letztlich die Leitung des Wildniscamps übernehmen könnte. Ich habe hier nicht nur meine berufliche Heimat gefunden."

Auch Jens Oberbeck, der erste Praktikant für die Umwelt überhaupt, weiß nur Gutes über seine Zeit im Nationalpark Bayerischer Wald zu berichten: "Es war für mich ein ganz wichtiger Baustein für mein Leben und den Beruf. Von der dabei gewonnenen Begeisterung für die Natur profitieren meine Kinder und meine Schüler". Jens Oberbeck ist vierfacher Vater und hat in St. Gallen in der Schweiz als Lehrer eine pädagogische Reformschule mit "grünem Klassenzimmer" mit aufgebaut.

Was liegt also näher als die Antwort eines jungen Menschen, der zurzeit sein Praktikum im Waldspielgelände des Nationalparks Bayerischer Wald ableistet: Franziska Knüppel verrät: "Das Praktikum für die Umwelt" bietet mir die einmalige Gelegenheit, während meines Studiums so viel außerhalb des Hörsaals über die Zusammenhänge der Natur zu lernen und dieses Wissen wieder weiter zu geben. (Außerdem habe ich hier eine unbeschreiblich schöne und einzigartige Walddynamik vorgefunden, die auf jeden Fall schützenswert ist, und der beste Schutz ist immer noch Verständnis".)

Wie verläuft das Praktikum für die Umwelt?

Grundvoraussetzung ist, Student zu sein und sich über das Internet unter: www.praktikum-fuer-die-umwelt.de schriftlich zu bewerben. Bei Erfolg beginnt das Praktikum für eine Woche zentral im Nationalpark Bayerischer Wald. Anschließend erfolgt die Verteilung - Wünsche werden dabei berücksichtigt - auf die deutschen Großschutzgebiete und ein drei bis sechs Monate dauerndes Praktikum.

Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es drei Praktikantenplätze, die sich auf die Bildungsbereiche Jugendwaldheim, Waldspielgelände und Wildniscamp am Falkenstein aufteilen.

Als Fazit darf aus heutiger Sicht klar festgehalten werden: Ohne die Praktikanten für die Umwelt, die sich durch neue Ideen, zukunftsgerichtete Projektentwicklungen und natürlich in die tägliche "Knochenarbeit" mit Herz und Seele einbringen, wäre die Bildungsarbeit in den deutschen Großschutzgebieten in Bezug auf Qualität und Quantität nicht annähernd zu verwirklichen.