Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Wissenschaftliche Schriftenreihe Heft 13

Flechten

Titelfoto: Eichenmoos (Evernia prunastri) (Foto: Dr. Bibelriether)

Vorwort

Der vorliegende 13. Band der populär-wissenschaftlichen Reihe „Nationalpark Bayerischer Wald" ist einer Pflanzengruppe gewidmet, die trotz ihres vergleichsweise häufigen Vorkommens für viele Besucher des Nationalparks unscheinbar ist: die Flechten. Diese eigenartigen Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen nehmen gewöhnlich Standorte ein, die für Samenpflanzen zu ungünstige Klima- und Substratbedingungen aufweisen. Dazu zählen nacktes Gestein, Rinde von Bäumen, Holz, Pflanzenreste oder auch sehr nährstoffarme und flachgründige Böden. Die Wälder des Nationalparks beherbergen naturgemäß viele Flechten auf Bäumen. Ihnen gilt das Augenmerk dieser Untersuchung.

Trotz der Fähigkeit der Flechten, unter widrigsten klimatischen Bedingungen zu gedeihen, sind sie anfällig gegenüber Umweltveränderungen durch den Menschen. Seit Jahrzehnten ist in den Industrieländern Europas ein Rückgang von Flechten bis hin zum Aussterben von Arten zu verzeichnen. Nach heutigem Wissen ist ein wesentlicher Teil des Flechtenrückgangs auf die Einwirkung von Luftverunreinigungen zurückzuführen. Prinzipiell lässt sich die Kenntnis dieses Zusammenhangs auch dazu nutzen, von der Art und Zusammensetzung der Flechtengesellschaften eines Gebietes auf die dortige Belastung der Luft zu schließen.

Eine solche Art der Bioindikation der Luftgüte setzt voraus, die Verbreitung der verschiedenen Arten und ihren Zustand genau zu untersuchen. Erst dadurch wird es möglich, die zukünftige Entwicklung zu beurteilen und bereits vorliegende Angaben über frühere Vorkommen zu werten.

Durch die grundlegenden Forschungsarbeiten über die baumbewohnenden Flechten des Nationalparks leistete Frau Dr. Macher einen für Wissenschaft und Naturschutz gleichermaßen wertvollen Beitrag. Insgesamt konnte sie an Bäumen des Nationalparks 218 Flechtenarten feststellen. Davon sind derzeit 82 Flechtenarten als gefährdet einzustufen. Die Untersuchung unterstreicht die Bedeutung der Bioindikation, insbesondere für Gebiete wie den Nationalpark Bayer. Wald: In seinen der natürlichen Entwicklung überlassenen Wäldern können Indikatorarten, wie bestimmte Flechten, den Grad der Luftbelastung unserer Umwelt nahezu unverfälscht widerspiegeln.

Der vorliegende Bericht mit zahlreichen Abbildungen und Fotos soll auch dem naturkundlich interessierten Laien eine Vorstellung über Form, Vielfalt und Bedeutung der weithin unbekannten heimischen Flechtenflora vermitteln.

Grafenau, im September 1992
Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Autor(en): M. Macher
Ausgabe: November 1992
Umfang: 113 Seiten, 33 Abbildungen, 19 Fotos, 32 Tabellen
Typ: kartoniertes Heft
Lieferung durch: Nationalparkladen Haus zur Wildnis
Ludwigsthal
94227 Lindberg
Telefon 09922/5002-113
E-Mail: hzw@nationalparkladen.de
Preis: 16,00 €
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ISBN 3-930977-13-3