Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Renaturierung Fließgewässer

Neben aktiven Renaturierungsmaßnahmen an begradigten Fließgewässern trägt das Zulassen von Totholz im Bach zur ökologischen Aufwertung bei (Foto: Ingo Brauer)

Die Fließgewässer und ihre Quellgebiete im Nationalpark haben trotz zahlreicher und unterschiedlicher Eingriffe in der Vergangenheit noch einen vergleichsweise naturnahen Charakter bewahrt. Gewässerökologisch sind sie heute – vom Problem der Versauerung abgesehen – durchwegs von hoher Güte. Der Lebensraum ist im Gebiet selten und besitzt eine herausragende Bedeutung als aquatisches Ökosystem. Hier leben viele gebietstypische, z. T. hoch bedrohte Arten (z. B. Fischotter, Flussuferläufer, Wasseramsel, Mühlkoppe).

Vor allem für die Holztrift sind viele Veränderungen an den Bächen vorgenommen worden. Es wurden nicht nur die Bachläufe begradigt und die Ufer befestigt. Um genügend Wasser für die Trift zur Verfügung zu haben wurden an den Oberläufen der Fließgewässer Staubauwerke (Schwellen bzw. Klausen) eingerichtet und zum Teil auch Bachläufe verlegt.

Renaturierungsmaßnahmen konzentrieren sich deshalb vor allem auf die Beseitigung von Uferbefestigungen, wenn diese erwarten lassen, dass sie ohne menschliches Zutun noch sehr lange die natürliche Gewässerdynamik unterbinden. Außerdem sollen im Einzelfall Begradigungen und Laufverkürzungen wieder rückgängig gemacht werden.

Besonders wichtig für ihre ökologische Leistungs- und Funktionsfähigkeit als lineare Lebensräume und Wanderkorridore ist die Durchgängigkeit der Fließgewässer. Hier wird mit unterschiedlichen Maßnahmen versucht, eine langfristige Verbesserung der Situation zu erreichen:

- An den vorhandenen Staubauwerken werden Umgehungsgerinne (Fischtreppen) angelegt;
- Im Zuge der Forststraßenrenaturierung werden Verrohrungen geöffnet;
- Im Bereich des weiter notwendigen Wegenetzes werden Wasserabstürze nach
Rohrdurchlässen vermieden;
- Werden Durchleitungen mit durchgängiger Gewässersohle (Brücken, Halbschalenrohre) angestrebt;

Der Erfolg dieser Maßnahmen für eine bessere Durchgängigkeit der Fließgewässer ist aber entscheidend vom Zustand der außerhalb des Nationalparks gelegenen Mittel- und Unterläufe abhängig.

Im Zusammenhang mit der Renaturierung von Fließgewässern ist ggf. auch die Wiederherstellung der ursprünglichen natürlichen bachbegleitenden Waldgesellschaft vorzusehen, beispielsweise durch Beseitigung standortsfremder Fichten-Reinbestände und anschließendem Zulassen der natürlichen Sukzession. In einzelnen Fällen ist die Wiederbesiedelung mit verloren gegangenen Florenelementen (z. B. Grauerlen) durch künstliche Einbringung vorzusehen.