Naturschutz im Nationalpark Bayerischer Wald
Naturschutz
Der Schutz der biologischen Schöpfungsvielfalt ist zentrales Anliegen des globalen Naturschutzes. Dieser Auftrag erfuhr eine namhafte Bestätigung durch die erste UN-Umweltkonferenz von Rio de Janeiro 1982.
Nationalparke unterscheiden sich hinsichtlich ihrer zentrealen Zielrichtung und vorrangigen Managementziele (IUCN Guidelines, 2008) grundsätzlich von herkömmlichen Schutzgebieten, in denen die Erhaltung einer besonders majestätischen, artenreichen seltenen oder sonstwie herausragenden Natur- oder Kulturausstattung im Vordergrund stehen, wofür klassischerweise gezielte Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Nationalparke schützen vorrangig die naturgegebenen Entwicklungen in großräumigen, möglichst ursprünglichen und intakten Naturlandschaften. Gemäß dem Motto „Natur Natur sein lassen“ sollen sich die Ökosysteme nach dem systemeigenen Entwicklungspotenzial quasi „von selbst“ ausgestalten.
Da Nationalparke in Mitteleuropa aber meist nicht ausreichend groß sind, wie sie für autarke, sich selbst regulierende Ökosysteme in Waldlandschaften –unter Einschluss der großen Wildtiere- wohl erforderlich wären, können kompensatorische Maßnahmen zur Bestandssicherung einzelner Arten und der Erhaltung der Habitatqualität anthropogen geprägter Lebensräume auf begrenzter Fläche notwendig werden. So verstanden erweisen sich Arten- und Biotopschutz als zukunftsorientierter Dauerauftrag, der auch die Qualität der Nationalparkentwicklung maßgeblich mitbestimmt.
Arten- und Biotopschutz
Die dauerhafte Sicherung der natürlichen Artenvielfalt zählt seit jeher zu den ältesten und stärksten Motiven im Naturschutz. Dementsprechend wird dieses Ziel in allen einschlägigen Gesetzen und internationalen Übereinkommen als prioritäre Aufgabe genannt.
Im Nationalpark Bayerischer Wald mit einer Gesamtgröße von 24.218 Hektar sind bis heute 7.300 Arten sicher nachgewiesen. Diese gliedern sich in 3.850 Tierarten, 1.860 Pilzarten, 490 Moosarten, 340 Flechtenarten und 760 Gefäßpflanzenarten.
Zum Schutz störungsempfindlicher Tierarten und zur Vermeidung von Schäden an der Bodenvegetation wurden durch die Einschränkung des Betretungsrechts in den sog. „Kerngebieten“ gezielte Schutz- und Lenkungsmaßnahmen getroffen. Das Netz an Besucherwegen ist so konzipiert, dass möglichst große zusammenhängende, für den Artenschutz besonders wertvolle Gebiete von Störungen verschont bleiben und Zerschneidungseffekte minimiert werden.
Tier- und Pflanzenarten, die aus dem Gebiet ganz oder teilweise verdrängt wurden, soll eine Rückkehr oder artgerechte Wiederansiedlung ermöglicht werden. Im Einzelfall können Stützungs- und Pflegemaßnahmen dem Verlust extrem seltener und gefährdeter Arten vorbeugen.
Der Nationalpark stellt für einzelne Tier- und Pflanzenarten nur einen Teillebensraum dar. Die Planung und Koordinierung von Arten- und Biotopschutzmaßnahmen erfordert daher in der Regel einen Nationalpark übergreifenden Ansatz und bezieht die benachbarten Schutzgebiete Nationalpark Šumava und Naturpark Bayerischer Wald mit ein.
Ausführliche Informationen zum Arten- und Biotopschutz im Nationalpark
Weiterführende Informationen
Natura 2000
Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union beschlossen 1992 die Einrichtung des europaweiten Biotopverbundsystems Natura 2000, fachlich und rechtlich basierend auf der Vogelschutzrichtlinie (1979) und der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie (1992). Ziel ist es, dem rapide voranschreitenden Schwund an Tier- und Pflanzenarten wirksam zu begegnen und die biologische Vielfalt dieses Kontinents dauerhaft zu bewahren.
Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein wichtiger Baustein dieses europäischen Biotopverbundnetzes und mit einer Fläche von 24.218 Hektar das größte terrestrische Schutzgebiet dieser Art in Deutschland. Zusammen mit dem benachbarten tschechischen Nationalpark Šumava ist er Teil des größten grenzüberschreitenden Schutzgebietssystems im Zentrum Europas.
Verschiedene Typen von Buchen- und Fichtenwäldern bilden flächenmäßig die bedeutendsten Lebensräume im Nationalpark. Neben zahllosen kleinen Mooren und Moorwäldern und großen intakten Moorkomplexen kommen einige weitere prioritäre Lebensraumtypen vor, die sonst nur im Alpen- bzw. Voralpenraum zu finden sind: Grauerlenwald, Schluchtwald, Latschengebüsch und die hochmontane Ausbildung artenreicher Borstgrasrasen („Schachten“).
An besonders schützenwerten Tierarten leben hier Luchs, Fischotter, Schwarzstorch, Wanderfalke, Weißrückenspecht und Habichtskauz. Der Hochmoorlaufkäfer in der Unterart pacholei ist jedoch die einzige prioritäre Art nach der FFH-Richtlinie. Mit Hilfe des 2008 in Kraft getretenen Natura 2000 Managementplans soll sichergestellt werden, dass der derzeit günstige Erhaltungszustand der Schutzgüter, der seinerzeit zur Meldung des Gebiets geführt hatte, dauerhaft erhalten bleibt.
Renaturierung
Im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten in Mitteleuropa sind die Wälder des Nationalparks durch die relativ kurze Nutzungsgeschichte noch in einem verhältnismäßig naturnahen Zustand. Allerdings sind sie auch hier während der Zeit der (forst-) wirtschaftlichen Nutzung mit einem Netz an Infrastruktureinrichtungen (Forststraßennetz, Triftanlagen, Jagdeinrichtungen, Wirtschaftsgebäuden usw.) überzogen und mitunter auch andere Lebensräume (z. B. Moore, Fließgewässer) kleinflächig stark verändert worden.
Entsprechend der Zielsetzung des Nationalparks sollen diese menschlichen Eingriffe durch aktive Maßnahmen dann korrigiert werden, wenn andernfalls naturschutzfachlich unbefriedigende Zustände über sehr lange Zeiträume bestehen blieben oder auf natürlichem Weg nahezu irreversibel wären.
Renaturierungsmaßnahmen sollen - als letztmalige menschliche Eingriffe mit Initialwirkung- auf das unumgängliche Maß zeitlich und örtlich beschränkt bleiben und möglichst ohne negative Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt ausgeführt werden.
Auf naturschutzfachlich wertvolle Sekundärbiotope, insbesondere im Randbereich des Nationalparks, ist zwingend Rücksicht zu nehmen.
Ausführliche Informationen zur Renaturierung im Nationalpark Bayerischer Wald
Der Biber erobert die Gewässer des Nationalparks
In Bayern wurde der Biber durch Überjagung (ca.1867) ausgerottet. Ausgehend von einer erfolgreichen Wiederansiedelung (1973) und positiven Bestandsentwicklung an Donau und Isar breitete sich der Biber seither über den Fluss Regen bis in die Gewässeroberläufe im Nationalpark aus. Seit Ende der 1980er Jahre gab es immer wieder Hinweise auf eine zumindest sporadische Anwesenheit von Bibern im Nationalparkgebiet. Etwa um die Jahrtausendwende häufen sich die Hinweise und ab diesem Zeitpunkt kann die feste Ansiedlung einzelner Tiere bestätigt werden.
Aktuell ist der Biber weiter stark im Vormarsch; Vorkommen wurden in folgenden Gebieten im Nationalpark festgestellt: am Reschbach, an der Großen Ohe, der Schwarzach, der Flanitz, am Kolbersbach, an der Deffernik sowie am Kleinen und Großen Regen.
Die Reviere werden von je einer Biberfamilie besetzt, wobei sich die Jungbiber nach zwei Jahren ein eigenes Revier suchen. Durch das Anlegen von Dämmen und dem Fällen von Bäumen kann der Biber seinen Lebensraum aktiv gestalten und kann folglich auch Bäche besiedeln, die nicht seinem Optimallebensraum (Weichholzreiche Auwälder) entsprechen.
Innerhalb des Nationalparks ist die Zuwanderung des Bibers willkommen, da er die natürliche Entwicklung der Gewässer beschleunigt. Die aufgestauten Bäche und das eingebrachte Totholz bilden wichtige Sonderlebensräume, Feuchtgebiete und eine hohe Strukturvielfalt.
Außerhalb des Nationalparks und im Randbereich kommt es durch die zunehmende Präsenz des Bibers gelegentlich zu Konflikten mit dem Menschen, indem er siedlungsnahe Bereiche überstaut oder unkontrollierte Hochwasserabflüsse provoziert. In diesen Fällen sucht die Nationalparkverwaltung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Landratsämtern, die für das Bibermanagement in Bayern zuständig sind, nach tragfähigen Lösungen.
Aktuelles Projekt
Renaturierung von Rückewegen und einer Forststraße in den neuen Naturzonen

