Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Arten- und Biotopschutz

Fledermaus (Foto: Dietmar Nill)

Fledermäuse

Im Vorgriff auf die anstehende Natura 2000-Kartierung erfolgte ab 2003 in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen eine Inventarisierung der Fledermausarten im Nationalpark Bayerischer Wald. Erste Ergebnisse belegten das Vorkommen von mindestens zwölf verschiedenen Arten. Auch Studien im benachbarten Böhmerwald und Untersuchungen im Nationalparkvorfeld deuten für den Nationalpark auf eine artenreiche Fledermausfauna mit z. T. sehr seltenen und gefährdeten Arten hin.

Mittlerweile konnten schon 16 verschiedene Fledermausarten nachgewiesen werden, darunter drei der Anhangliste II der FFH-Richtlinie: Großes Mausohr, Bechstein- und Mopsfledermaus. Eine nähere Beschreibung ihrer Bedeutung im Nationalpark sowie die Bewertung ihres Erhaltungszustandes findet sich im Natura 2000-Managementplan für den Nationalpark Bayerischer Wald.

Durch das hohe Angebot an Totholzflächen und alten Waldbeständen sind Sommerquartiere im Nationalpark kein limitierender Faktor. Die Analyse der Fledermausaktivitäten in verschiedenen Waldhabitaten des Nationalparks hat gezeigt, dass in erster Linie die Waldstruktur und weniger das Beuteangebot die Raumnutzung steuert.

Dazu wurden alle Fledermausarten in drei große Gilden in Bezug auf ihre Körper- und Rufmerkmale eingeteilt. Die Arten der Gilde Open-habitat (z.B. Großer Abendsegler) weisen lange schmale Flügel auf und zeichnen sich durch laute Rufe aus. Die Arten der Gilde Closed-habitat zeichnen sich durch breite Flügel, hohe Manövrierfähigkeit und hohe sensorische Fähigkeiten (lange Ohren) und leise Rufe aus (z.B. Bechsteinfledermaus). Die Arten der Gilde Edge-habitat stehen dazwischen. (z.B. Mopsfledermaus).

Auf der Basis von automatischen Rufaufzeichnungen mit Hilfe von Batcordern hat sich gezeigt, dass Totholzflächen die natürlicherweise offenen Waldhabitate darstellen. Sie werden bevorzugt von Arten der Gilde Open-habitat genutzt. Diese zeigen auch eine positive Reaktion auf erhöhte Beutedichten im offenen Lebensraum. In den geschlosseneren Waldbeständen jagen nur die Arten der Edge-habitat und Close-habitat Gilden. Diese patroulieren die Flächen aber unabhängig von der Höhe der Beutemenge. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Erkenntnisse, dass die Arten der offenen Habitate große Strecken zurücklegen, sich über Beuteinformationen austauschen und gezielt temporäre Beutequellen ausbeuten. Die anderen beiden Gilden vertrauen auf ihre Effizienz im Beutefang und suchen unabhängig vom Beuteangebot ihre bekannten Waldflächen im näheren Umfeld ab.

Der Einschlag von Borkenkäferholz im Nationalpark hatte keine negative Auswirkung auf die Fledermausaktivität. Vermutlich weil diese Maßnahmen räumlich nicht die Dimensionen einnehmen, die zu einer Quartierarmut auf Landschaftsebene führen würden. Dies zeigt auch, dass die hochmobilen Fledermäuse nur bedingt als Zeiger für Managementmaßnahmen im Nationalpark geeignet sind.

Aktuell wird die Aktivität von Fledermäusen über den Baumkronen auch in dichten Waldbeständen untersucht.

Foto: Fledermaus (Bildautor: Dietmar Nill)