Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

Wälder

Herbstwald (Foto: Alice Alteneder)

Die natürlichen Waldgesellschaften des Nationalparks Bayerischer Wald weisen eine deutliche zonale Gliederung nach Höhenstufen auf: Aufichtenwälder in den Tallagen, Bergmischwälder in den Hanglagen und Bergfichtenwälder in den Hochlagen. Besonders die Bergmischwälder der Hanglagen sind heute stark durch die ehemalige forstliche Nutzung überprägt und mit unnatür-lich hohen Fichtenanteilen ausgestattet.

Aufichtenwald

In den kalten, spätfrostgefährdeten Verebnungen zwischen 700 m und 900 m (Tallagen) ist es der Hainsimsen-Fichten-Tannenwald, der auf großen Flächen landschaftsprägend in Erscheinung tritt. Er folgt in den breiten Bachtälern den mineralischen Nassstandorten bis weit in die Hang-lagen hinauf. Zusammen mit den Fichtenmoorwäldern, die an organische Böden gebunden sind, bildet er die regional als Aufichtenwald bezeichnete Vegetationseinheit.

Unter den gegebenen Standortverhältnissen ist die Fichte die konkurrenzstärkste und somit vor-herrschende Baumart. Nur wenige andere Baumarten gesellen sich in geringen Anteilen bei, wie Moorbirke, Schwarzerle und Weide. Auf den mineralischen Weichböden stellt die Tanne die zweite Hauptbaumart dar, aktuell jedoch meist mit einem Anteil von weniger als 5%.

Bergmischwald

Die rauen Mittelgebirgsverhältnisse im Nationalpark Bayerischer Wald nötigen die Buche, ihre Domäne mit den Mischbaumarten Fichte und Tanne zu teilen. Buchenwälder sind daher unter den lokalen Bedingungen immer gleichzusetzen mit dem Begriff des Bergmischwaldes aus Bu-che, Tanne und Fichte. Bevor die Forstwirtschaft die Wälder veränderte, waren die drei Baumar-ten zu etwa gleichen Anteilen am Aufbau des Bergmischwaldes beteiligt.

Insgesamt stellen Buchenwälder den flächenmäßig bedeutsamsten Lebensraum im Nationalpark dar. Ursprünglich war ihr Flächenanteil noch wesentlich höher gewesen. Die intensive Forstwirt-schaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte jedoch großflächig Bergmischwälder durch Fichtenforste ersetzt.

Im Wesentlichen lassen sich im Gebiet zwei Buchenwald-Lebensraumtypen unterscheiden: der Hainsimsen-Buchenwald und der Waldmeister-Buchenwald, jeweils in ihrer mittelgebirgstypi-schen Ausprägung als Buchen-, Tannen-, Fichten-Bergmischwald. Sie besetzen hier die Standor-te in den klimatisch günstigen Lagen zwischen 700 und 1150 m Meereshöhe.

Der Hainsimsen-Buchenwald ist der Buchenwaldtypus der nährstoffarmen, saueren Böden, wie sie der Gneis- und Granituntergrund des Böhmerwaldes hervorbringt. Die Krautschicht be-schränkt sich auf wenige, spärlich auftretende Arten und vermittelt einen ersten, aber falschen Eindruck von Artenarmut. Verborgen unter der Rinde modriger Stämme oder im morschen Holz bereits toter oder dahinsiechender, greisenhafter Buchen führt ein riesiges Heer von Insekten sein heimliches Dasein. Deren Artenzahl kann höchstens noch von der üppigen Pilzflora über-troffen werden, die für das biologische Recycling der großen Mengen an totem Holz zuständig ist, wie es in Naturwäldern anfällt.

Wegen seiner reichen Krautflora wirkt der Waldmeister-Buchenwald ästhetisch ansprechender auf den Waldbesucher. Er besetzt im Spektrum der Bodenverhältnisse den nährstoffreichen Flü-gel, der hier allerdings naturgegeben nur in geringem Umfang vertreten ist. Sein Schwerpunkt-vorkommen liegt im Nationalpark Bayerischer Wald am Fuß des Großen Falkenstein. Vom Hain-simsen-Buchenwald unterscheidet er sich, neben der reichen Ausstattung mit nährstoffzeigen-den Kräutern, durch einen wesentlich größeren Anteil an Mischbaumarten. Während sich im Hainsimsen-Buchenwald zu den drei Hauptbaumarten Buche, Tanne und Fichte nur der Berg-ahorn als Nebenbaumart gesellt, beherbergt der Waldmeister-Buchenwald auch noch Spitz-ahorn, Sommerlinde, Bergulme, Esche, Eibe und Vogelkirsche.

Hochlagen-Fichtenwald

Zu den Besonderheiten des Böhmerwaldes zählen die natürlichen Fichtenwälder der Lagen über 1150 - 1200 m ü. NN. Sie gehören in die Verwandtschaft der Taigawälder des Nordens. Im Bu-chenland Mitteleuropa finden sie nur im Alpenraum und den höheren Lagen einiger Mittelgebir-ge eine Verbreitungsnische, dort, wo die Vegetationszeit für die Buche zu kurz ist. Nicht zu ver-wechseln damit sind die durch die Forstwirtschaft landauf landab begründeten künstlichen Fich-tenforste.

In den natürlichen Fichtenwäldern der Hochlagen bleiben die Fichten mehr oder weniger unter sich. Bei durchschnittlichen Jahrestemperaturen von zwei bis vier Grad Celsius, fast siebenmo-natiger Schneedeckenzeit und nährstoffarmen, saueren Böden schaffen es nur noch vereinzelte Ahorne und Vogelbeeren, gemeinsam mit den Fichten alt zu werden.

Ähnlich einförmig wie der Baumbestand ist die Bodenvegetation. Nur wenige, an sauere Boden-verhältnisse angepasste Arten prägen diesen Waldtyp. Besonders die Gräser Wolliges Reitgras und Drahtschmiele bilden dichte Teppiche aus und bedecken großflächig den Boden. Damit er-schweren sie die natürliche Verjüngung der Fichte erheblich. Die junge Keimwurzel kann diesen Grasfilz kaum durchdringen. Unter solchen Umständen muß die Fichte zwangsläufig auf eine andere Keimunterlage ausweichen, um ihr Fortbestehen zu sichern. Dieses alternative Keimsub-strat findet sich in Form von am Boden liegendem totem Fichtenholz. In einem bestimmten Mo-derzustand stellt es ein ideales Keimbett für Fichtensämlinge dar. Es bietet ausreichend Wasser und Nährstoffe, schützt vor der Konkurrenz der Gräser und Farne und vor Druck- und Zugbelas-tungen durch die Schneemassen.