Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Offenlandschaften

Die Schachten im Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: Dr. Franz Leibl)

Nur Moore und Blockhalden aus großen Steinen haben es in der Landschaft des Böhmerwaldes aus eigener Kraft geschafft, sich den Wald vom Leibe zu halten. Die herrlichen, blütenreichen Magerrasen und Heuwiesen mit ihrem Insektenreichtum sind dagegen Lebensräume, die erst der Mensch dem Wald in mühevoller Arbeit abgetrotzt hat.

In den Tallagen finden sich im Umkreis der Hochmoorkomplexe entlang der Bäche und in Ortsnähe – meist an der Grenze des Nationalparks - die Reste alter, ehemals extensiv genutzter Heu- und Streuwiesen sowie Weideflächen. Ein Element von besonderem landschaftsästhetischem Wert sind die Schachten, ehemalige Weideflächen im Hochlagenwald. Die Berggipfel ragen häufig zumindest teilweise baumfrei aus den sie umgebenden Waldflächen heraus. Eng verzahnt finden sich hier Bereiche mit Felsspaltenvegetation und trockene Heiden.

Wiesen und Schachten

Die Bewohner des Böhmerwaldes versuchten mittels Viehhaltung dem kargen Boden bei rauem Klima einen Mindestertrag zur Existenzsicherung abzuringen. Die Folgen solch einer jahrhundertelangen Mangelwirtschaft ohne ausreichende Düngung waren ausgemagerte, zum Teil zur Heide degradierte Viehweiden. Mit Charakterarten wie Borstgras (Nardus stricta), Ungarischem Enzian (Gentiana pannonica) und dem endemischen, heute hochseltenen, Böhmischen Enzian (Gentianella bohemica) waren sie einst prägende Elemente der Böhmerwaldlandschaft. Auf bayerischer Seite finden sie ihr Gegenstück in den „Schachten“, hochgelegenen, baumbestandenen Parklandschaften, die ebenfalls durch Beweidung entstanden sind. Angereichert sind diese Flächen häufig mit Sonderstrukturen wie Steinblöcken, alten Bäumen, Ameisenhaufen, Lesesteinhügeln und Trockenmauern, die wertvolle Habitatbausteine für eine ganze Reihe von Insekten-, Vogel-, Reptilien- und Fledermausarten darstellen.

Ähnlich mager, aber auf Grund einer unterschiedlichen Nutzung mit einer anderen Artenausstattung versehen, sind die Mähwiesen, die das Heu liefern mussten, um das Vieh über den langen Winter zu bringen. Arnika (Arnica montana), Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum), Pechnelke (Lychnis viscaria) und andere prägen hier den Aspekt. Feuchte Wiesen, die ursprünglich nur einmal spät im Jahr gemäht wurden, um Einstreu für das Vieh zu gewinnen, entsprechen häufig dem Lebensraumtyp der Pfeifengraswiese, die mit Arten wie dem namengebenden Pfeifengras (Molinia caerulea), dem Großem Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), dem Teufelsabbiß (Succisa pratensis), u.a ebenfalls einen sehr eigenen Charakter hat.

Mit dem Ende der historischen Bewirtschaftungsformen verbrachen viele dieser Flächen zunehmend, viele typischen Pflanzen- und Insektenarten verschwinden und der Wald versucht die Flächen zurückzuerobern.

Felsen und Heiden

Außergewöhnliche Lebensräume stellen im Nationalpark die imposanten Blockmeere wie der Gipfel des Lusen (1373 m) und steile Felswände wie am Großen und Kleinen Falkenstein (1313 und 1190 m) dar.

Die Blockschutthalden sind von Farn- und Blütenpflanzen weitgehend unbesiedelt. Herausragend ist jedoch die Besiedlung mit unterschiedlichen Flechten, wobei die Landkartenflechte (Rhizocarpon geographicum), die für die charakteristische gelbgrüne Färbung der Blöcke verantwortlich ist, am weitesten verbreitet ist und die Lebensgemeinschaft dominiert. Bemerkenswert ist außerdem, dass die vollständige Ausstattung an Laufkäferarten vorhanden ist, die für kaltlufterzeugende Blockhalden typisch sind. Die Artengemeinschaften weisen aufgrund der extremen Standortbedingungen eine große Selbstständigkeit und einen hohen Spezialisierungsgrad auf.

Inselförmig eingestreut finden sich in den Blockfeldern immer wieder Bereiche, die von Zwergsträuchern besiedelt werden. Diese Bergheiden werden gebildet aus Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und Rauschbeere (Vaccinium uliginosum). Vorkommen der seltenen Flachbärlapp-Arten beschränken sich auf vom Menschen geschaffene Standorte wie Böschungen an Wegen und ehemaligen Entnahmestellen.

Die Felsspalten steiler Felswände sind im Gegensatz zu den Blockhalden neben den Flechten auch von charakteristischen Farn- und Blütenpflanzen wie dem Gewöhnlichen Tüpfelfarn (Polypodium vulgare) und der Rundblättrigen Glockenblume (Campanula rotundifolia) besiedelt.