Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Historie

Glasmacher (Foto: NPV)

Lange galt der Innere Bayerische Wald archäologisch als fundleer. Neuste Funden lassen aber vermuten, dass sich seit dem Mesolithikum immer wieder vereinzelt Menschen in der Region aufhielten, sei es zur Jagd oder auf dem Weg nach Böhmen.

Während sich für die Bronze- und Eisenzeit in Böhmen Siedlungen, Befestigungen und sogar Kultplätze nachweisen lassen, fehlen auf der bayerischen Seite hierfür sichere Nachweise.

Noch in einer Urkunde des Klosters Metten von 853 nach Chr. wird der Bayerische Wald als „eremus Nortwald" - „menschenleerer Nordwald" bezeichnet.

Zu seiner Besiedlung vergaben die adeligen Landesherren großzügig Land an Klöster. Diese, wie das im Donautal gelegene Benediktinerkloster Niederaltaich oder das Kloster Niedernburg in Passau wurden zu entscheidenden Träger der frühen Kolonisierung des heutigen Nationalparkvorfeldes.

Im Hochmittelalter kamen als bedeutende wirtschaftliche und kulturelle Triebkräfte der Besiedlung die Gründung zahlreicher Glashütten und der Salzhandel mit Böhmen hinzu.

Von Passau und anderen Orten im Donautal aus wurde Salz aus dem Alpenraum von Säumern mit Pferdekarawanen – sogenannte „Saumzüge“ – in das "salzlose" Böhmen geliefert. Das Salz wurde vor allem zum Konservieren von Lebensmitteln benötigt. Vor allem im 16. Jh. florierte der Salzhandel, führte zur Anlage neuer Handelswege, zur Gründung neuer Ortschaften und brachte ein bescheidenes Auskommen für Viele.

Um das Jahr 1450 lassen sich die ersten Ansiedlungen von Glashütten nachweisen. Wirtschaftlich aktive Landesherrn lockten Glasmacher zu großzügigen Bedingungen in den Bayerischen Wald. Die fanden hier im Überfluss die Rohmaterialien, die andernorts bereits knapp waren: endlose Vorkommen an Holz und reichlich von dem Mineral Quarz; Kalk konnte aus dem nahen Böhmen importiert werden. Um diese Glashütten entwickelten sich im Laufe der Zeit feste Ortschaften.

Die Glasmachertradition bestand bis 2009, als der letzte produzierende Glasbetrieb in Riedlhütte geschlossen wurde.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts erkannten die Landesherren den Wert der Wälder. Sie begannen die riesigen Holzreserven in den z.T. entlegenen Waldungen zu nutzen, um dem Holzmangel in den Städten nachzukommen.

Das Holz konnte aber nur auf dem Wasser transportiert („getriftet“) werden. Die Passauer Fürstbischöfe begannen in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts die Bäche und Flüsse auf ihrem Gebiet triftbar zu machen. Mitte des 18. Jahrhunderts war der Ausbau der Bäche und Flüsse dann in der ganzen Region abgeschlossen. Mit der zunehmenden Entwicklung der Verkehrswege, vor allem der Bahn und später der Forstwege bzw. Straßen, ging der Triftbetrieb zurück und wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs endgültig eingestellt.

Mit dem Übergang aller Nutzungs- und Eigentumsrechte an den Wäldern an den Bayerischen Staat zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte eine intensive Nutzung und systematische Bewirtschaftung der Wälder ein. Gemäß dem damaligen forstlichen Wissensstand machte man sich an die Umwandlung der immer noch urwaldartigen Bestände in Wirtschaftswälder.

Nach zaghaften Anfängen im späten 19. Jahrhundert begann sich der Tourismus in der Region nach Ende des Zweiten Weltkriegs rasch zu entwickeln. Heute stellt er einen wichtigen Wirtschaftsfaktor im ganzen Bayerischen Wald dar.

Schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es erste Ansätze, einzelne Waldteile des heutigen Nationalparkgebietes wegen ihrer Urwüchsigkeit unter Schutz zu stellen. 1969 schließlich erklärte der Bayerische Landtag die Staatswälder zwischen den Bergen Rachel und Lusen zum ersten deutschen Nationalpark. 1997 wurde der ursprünglich 13.000 ha große Nationalpark Bayerischer Wald auf jetzt 24.000 ha erweitert. Gemeinsam mit dem 1991 gegründeten Nationalpark Sumava bildet er das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas.