Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Moore

Latschensee (Foto:Alice Alteneder)

Moorwälder und offene Moore gehören zu den ökologisch wertvollsten Lebensräumen im Böhmerwald. Die hochgelegenen, niederschlagsreichen Plateaus des Nationalparks Šumava sind das Zentrum der Moorverbreitung des Gebirgszuges. In abflussarmen Mulden, in Höhenlagen um 1000 m, herrschen ideale Bedingungen für die Bildung von Mooren.

Auf der bayerischen Seite beherbergen nur die vernässten Täler und die Kammlagen größere Moorgebiete. Eindrucksvoll ist der Tal-Moorkomplex Großer Filz und Klosterfilz zwischen Riedlhütte und St. Oswald. In den höheren Lagen zählen Zwieselter Filz und Latschenfilz zu den Glanzlichtern.

Die Moorwälder teilen ihren Verbreitungsschwerpunkt - vernässte Täler und niederschlagsreiche Plateaus - mit den offenen Moorflächen. Keiner der verschiedenen Moortypen kommt streng isoliert vor. Immer ist eine enge Verzahnung mit anderen Formen gegeben. Auch die Übergänge von Moorwäldern zu offenen Moorflächen sind fließend, so dass stets Komplexe aus verschiedenen Moorlebensräumen auftreten.

Moorwälder

Auf Nieder- und Übergangsmooren in kalten, vernässten Mulden stocken Fichtenmoorwälder. Die Torfböden sind nass, sauer und nährstoffarm. Neben der Fichte gelingt es nur vereinzelten Tannen, Vogelbeeren und Moorbirken sich hier zu behaupten. Das Erscheinungsbild ist vielfältig. Hochstämmige Fichten auf schwach entwickeltem Torf gehören ebenso dazu wie krüppelwüchsige Bäumchen auf dicken Torfmoospolstern. Nur wer breit ausladende Wurzelteller zu bilden vermag wie die Fichte, kann sich auf diesen schwankenden Untergrund vorwagen. Der Preis für diesen Wagemut ist jedoch eine verringerte Lebenserwartung. Stürme legen häufiger als in anderen Lebensräumen ganze Waldbestände zu Boden. Auf den vermodernden Baumleichen sprießen dann wieder neue Fichtengenerationen empor.

Bergkiefernmoorwälder besiedeln die noch stärker vernässten, versauerten und an Nährstoffen verarmten Standorte. Im Nationalpark überziehen sie meist den ganzen uhrglasförmig gewölbten Hochmoorkörper. Nur im Moorzentrum verbleiben manchmal die am stärksten vernässten Bereiche waldfrei und bilden offene Hochmoore. Die Bergkiefer ist in ihrer Erscheinungsform sehr vielgestaltig und bildet verschiedene Unterarten aus. Als baumförmige, bis zu zehn Meter hohe „Spirke“ besiedelt sie die Hochmoore der Täler. In den höheren Lagen findet sich dagegen ausschließlich die drei bis vier Meter hohe, strauchförmige „Latsche“.

Hoch- und Übergangsmoore

In einer Landschaft, die der Wald völlig beherrscht, umgibt Flächen, die sich erfolgreich gegen die aggressive Dominanz der Bäume behaupten, naturgemäß die Aura des Besonderen. Dazu zählen Teile der Hoch- und Übergangsmoore. Sie schaffen es – wenigstens gelegentlich – dem Fichten- und Bergkiefernmoorwald den Zutritt zum Zentrum ihres Moorkörpers zu verwehren.

Lebende Hochmoore sind gekennzeichnet durch ein noch unbeeinträchtigtes, mooreigenes, nur vom Regenwasser gespeistes Wasserreservoir. Das chemische Milieu ist geprägt von starker Versauerung, sowie Nährstoff- und Sauerstoffarmut. Hochmoortypische Biotopstrukturen wie die uhrglasförmige Aufwölbung des Torfkörpers, der Randlagg, die Bulte und Schlenken, Kolke und Mooraugen sind vorhanden. Einzelne krüppelige, greisenhafte Baumzwerge, die sich vorwitzigerweise im Moor angesamt hatten, kämpfen ums Überleben, insgesamt aber sind die Moorflächen waldfrei.

Hochmoore, deren Wasserregime durch Drainagegräben oder Torfabbau massiv beeinträchtigt wurde, verfallen zunehmend. Hier ergibt sich zwangsläufig der Auftrag zur Renaturierung des Moores. Solche Moorrenaturierungsmaßnahmen werden im Nationalpark seit vielen Jahren durchgeführt. Ziel ist es, den mooreigenen Wasserkörper durch Verbauung der Drainagegräben zu sanieren.

Übergangs- und Schwingrasenmoore finden sich in den Randlaggs der Hochmoore, den Uferzonen und Schwingrasen von verlandenden Seen, den Quellmooren der Hochlagen und den Wiedervermoorungs-Stadien ehemaliger Feuchtwiesen. Entsprechend breit ist die Palette der dazugehörigen Pflanzengesellschaften. Sie reicht von Verlandungsgesellschaften wie dem Schnabelseggenried über verschiedene Torfmoos-Gesellschaften, Wollgras-Gesellschaften zu Schlenken-Gesellschaften.