Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Gewässer

Martinsklause (Foto: Maria Hußlein)

Weitestgehend auf der Kammlinie des Inneren Bayerischen Waldes verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. Sie ist über weite Strecken identisch mit der Wasserscheide zwischen Donau und Elbe und damit auch zwischen den Gewässereinzugsgebieten des Schwarzen Meeres und der Nordsee. Der Großteil der im Nationalpark entspringenden Bäche fließt den Nebenflüssen der Donau - Ilz und Regen - zu. Nur die Quellbäche einiger Osthänge zwischen Rachel und Lackaberg entwässern nach Tschechien in das Einzugsgebiet der Elbe. Umgekehrt fließen einige der in den Hochlagen des Šumava entspringenden Bäche ins Bayerische herüber und damit der Donau zu, z. B. der Große und der Kleine Regen.

Fließgewässer

Die Fließgewässer des Nationalparks Bayerischer Wald sind ihrem Charakter nach Gebirgsbäche, die von ihren Quellorten in den sanfter geneigten Hängen der Hochlagen in die steilen Hanglagen eintreten und dort in Folge des starken Gefälles hohe Fließgeschwindigkeiten und große Transportkräfte entwickeln. Durch die Wirkung dieser Kräfte formt das Wasser an vielen Stellen landschaftlich eindrucksvolle, klammartige Bachläufe, die von großen Felsblöcken gesäumt werden (z. B. Sagwasser, Kleine Ohe, Großer Höllbach). Mit dem Eintritt in die Talverebnungen ändert sich dann der Charakter der Wildbäche hin zu breiter und langsamer fließenden Gewässern.

Viele dieser Bäche sind in vergangenen Jahrhunderten zum Zweck der Holztrift mehr oder weniger stark begradigt und entsteint worden und haben damit viel von ihrem ursprünglichen Charakter verloren.

Die Bäche des Nationalparks Bayerischer Wald gehören nach gewässerökologischen Kriterien in die Kategorie der „Forellenregion“. Die nährstoffarmen, schnell fließenden Gewässer weisen eine hohe Sauerstoffsättigung und ganzjährig eine Wassertemperatur von unter 10 Grad C auf.

Aufgrund der natürlichen Standortbedingungen (Beschattung, starkes Gefälle, hohe Strömungsgeschwindigkeit) gibt es im oder auf dem Wasser praktisch keine Blütenpflanzen. Die Vegetation wird von flutenden Wassermoosen bestimmt.

Ein Großteil der Fließgewässer ist Lebensraum für charakteristische Tierarten wie Wasseramsel oder Gebirgsstelze sowie Teil-Lebensraum für den Fischotter. Die Charakterart der Lebensgemeinschaft im Wasser ist die Bachforelle, der sich als weitere Fischart nur die Mühlkoppe beigesellt.

Stillgewässer

Der einzige natürliche See des Nationalparks ist der 5,7 ha große Rachelsee. Es handelt sich dabei um einen einst von einem Gletscher ausgeschobenen „Kar- Endmoränensee“, der in 1071 m Höhe am Fuß einer 300 m hohen Felswand („Seewand“) liegt.

Das Wasser des Rachelsees ist als „permanent stark sauer“ eingestuft und damit für Fische lebensfeindlich (Schwankungen des pH- Wertes zwischen 4,0 und 5,0). Schwingrasen und Großseggensaum bilden die typische Ufervegetation.

Zu den natürlichen „Stillgewässern“ des Nationalparks zählen auch einige größere „Mooraugen“ (mit Moorwasser gefüllte Tümpel in den Hochmooren), von denen das größte der sogenannte „Latschensee“ im „Latschenfilz“ östlich von Buchenau ist.

Daneben gibt es eine ganze Reihe von künstlich geschaffenen Stauseen, die einst der Erhöhung der Wassermenge für die Holztrift dienten. Diese „Klausen“ oder „Schwellen“ sind talseitig von einer künstlichen Staumauer oder einem Erdwall begrenzt. Die größten und eindrucksvollsten unter ihnen werden als kulturhistorisch wertvolle Denkmäler erhalten (Reschbachklause, Martinsklause).

Der größte Stausee der Region - die Trinkwassertalsperre Frauenau mit einer Wasserfläche von 94 ha - liegt zwar außerhalb des Nationalparks, grenzt jedoch mit seinem Nord- und Ostufer unmittelbar an den Nationalpark an. Fast das gesamte Wassereinzugsgebiet liegt auf dem Gebiet des Nationalparks.