Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Geologie und Böden

Bärenhöhlfelsen (Foto: Rainer Pöhlmann)

Geologie

Der Nationalpark Bayerischer Wald befindet sich am Südwestrand des größten in Mitteleuropa zutage tretenden Grundgebirges, der so genannten Böhmischen Masse. Es handelt sich dabei um sehr alte Gesteinsformationen – älter als 280 Mio. Jahre – vorwiegend aus Gneisen und Graniten.

Unterschiedliche Gneise– überwiegend Cordierit-, Silimanit- und Biotit-Plagioklas-Gneise – nehmen den größten Teil der Nationalparkfläche ein. Lediglich rund um das Bergmassiv des Lusen erstreckt sich ein großer Granitkomplex, bestehend aus Finsterauer Kristallgranit. Daneben finden sich zerstreut auch Kleinstvorkommen seltenerer Gesteine, wie Serpentinit, Amphibolit, redwitzitischer Metabasit, Kalksilikat, Übergangsformen von Gneis und Granit, Pegmatit, Aplit und Quarzgänge.

Das heutige Landschaftsprofil wurde entscheidend durch die Eiszeiten geformt. Auf das Vorhandensein kleinerer Gletscher deuten Karwand und Seebecken des Rachelsees sowie drei bereits vermoorte Eiszeitseen hin. Deutliche Moränenspuren finden sich auf der Südost- und Nordseite des Rachels, im Schwarzbachtal sowie unterhalb der sog. Gruft nordöstlich von Buchenau. Das Blockfeld des Lusengipfels entstand wahrscheinlich in einer schneeärmeren, trockenkontinentalen Phase der Eiszeit unter dem Einfluss der Frostsprengung.

Fließerdeprozesse (Solifluktion) eiszeitlicher Permafrostböden führten in den unteren Hanglagen zu feinerdereichen, mächtigen Bodenschichten, während in den oberen Hanglagen durch das Abfließen des Feinbodens imposante Felsformationen und Blockfelder zum Vorschein kamen. Ebenfalls Solifluktionsprozesse verursachten vermutlich die Bildung des landschaftsökologisch bedeutsamen verfestigten eiszeitlichen Schutts, der typisch ist für die Böden der Hochlagen und oberen Hanglagen des Inneren Bayerischen Waldes.

Bei nacheiszeitlichen Abschmelzprozessen transportierten gewaltige Wassermassen Schottermaterial zu Tal, welches heute meterdick die Talverebnungen der Bäche im Gebiet bedeckt.

Böden

Die Böden im Nationalpark Bayerischer Wald sind Verwitterungsprodukte von Gneis und Granit. Diese sauren Urgesteine verwittern nur sehr langsam und weisen einen sehr geringen Gehalt an wichtigen Pflanzennährstoffen wie Kalium, Calcium und Magnesium auf. Die Böden des Nationalparks sind daher auf natürliche Weise sauer und nährstoffarm.

Die häufigsten Bodentypen des Nationalparkgebietes sind Braunerden, Lockerbraunerden, PodsolBraunerden, Gleye und Moorböden unterschiedlicher Ausformung.

Braunerden sind der vorherrschende Bodentyp der Unteren Hanglagen. Sie bestehen meist aus frischen, mehr oder weniger stark sandigen, tiefgründigen Verwitterungslehmen mit in der Regel geringem Skelettanteil und mäßiger bis mittlerer Nährstoffversorgung. Im Bereich der Mittleren und Oberen Hanglagen – ab 900 m ü. NN – sind sie zunehmend mit Lockerbraunerden vergesellschaftet, die sich durch eine große Lockerheit des Bodengefüges infolge eines hohen Gesamtporenvolumens und eines hohen Humusgehaltes auszeichnen.

In den Hochlagen dominieren auf mittel- bis tiefgründigem Lehm über verfestigtem Schutt basenarme Braunerden oder Podsol-Braunerden, die auf den Plateaus als Eisen-Humus-Podsole ausgeprägt sind. Zwischen 1100 und 1200 mü. NN befindet sich - expositionsabhängig - die Obergrenze der bestandesweisen Verbreitung der Buche, die sich i. d. R. deckt mit der Nahtstelle zwischen den Lockerbraunerden der Oberen Hanglagen und den ärmeren Hochlagenböden über verfestigtem Schutt.

Flächige Fels- und Blockböden treten in höher gelegenen Bereichen und Gipfellagen sowie punktuell im gesamten Gebiet auf. Gleye mit hochanstehendem Grundwasser sind weit verbreitet in den vernässten Tallagen, in der Umgebung von Quellen und entlang von Bächen. Steht das Grundwasser bis an die Oberfläche des Bodens an, so kommt es zur Vermoorung. Niedermoore und Übergangsmoore finden sich flächig in den Moorwäldern der Tallagen und kleinflächig in den Hanglagen als Hangquellmoore. In den Hoch- und Tallagen des Nationalparks haben sich eindrucksvolle Hochmoore ausgebildet (Großer Filz, Klosterfilz, Zwieselter Filz). Diese entstehen, wenn der Torfkörper dem Einfluss des Grundwassers entwächst und einen eigenen, vom Regenwasser gespeisten Wasserkörper bildet.