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Bayerischer Wald

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Borkenkäfer – Biologie und Befallsverhalten

Die wichtigsten Fragen zur Biologie und zum Befallsverhalten von Buchdrucker und Kupferstecher sind im folgenden kurz beantwortet:

Wo überwintern Borkenkäfer?

Buchdrucker und Kupferstecher überwintern in allen Entwicklungsstadien (Larven, Puppen, erwachsene Käfer) unter der Rinde befallener Bäume. Erwachsene Käfer überwintern zum Teil auch in der Bodenstreu.

Sterben Borkenkäferbruten im Winter ab?

Eier und junge Larvenstadien reagieren empfindlich auf Temperaturen unter – 10 bis –15 ° C über mehrere Tage hinweg. Dagegen können ältere Larven, Puppen und Käfer auch lange Kälteperioden ohne große Verluste überstehen.

Wann und unter welchen Bedingungen beginnt der Schwärmflug?

Buchdrucker und Kupferstecher schwärmen im Frühjahr ab Mitte / Ende April aus. Beide Käferarten fliegen bei Temperaturen ab 16,5 ° C und trockener Witterung. Allerdings muß im Frühjahr erst eine bestimmte Temperatursumme erreicht werden.

Welche Bäume werden bevorzugt?

Der Buchdrucker bevorzugt bei einer akuten Massenvermehrung vitale Altfichten. Die ersten Käfer fliegen ihre Wirtsbäume an. Durch den beim Einbohren ausgelösten Harzfluss werden einzelne Käfer abgetötet. Bei ausreichender Angriffsdichte (ca. 200 Käfer pro Baum) kommt die Abwehr der Bäume zum Erliegen. Sobald sich einige Käfer eingebohrt haben, produzieren sie Lockstoffe für ihre Artgenossen und es kommt zum massiven Befall des Baumes. Der Buchdrucker befällt in der Regel ältere Fichten (ab etwa 60 Jahren).

Der Kupferstecher hat eine andere Befallsstrategie. Er reagiert auf Duftsignale geschwächter Bäume und befällt diese gezielt. Bei Massenvermehrung attackiert er auch gesunde Bäume mit Erfolg. Er befällt jüngere Fichten und die Gipfel und Äste von älteren Fichten.

Stammfuß mit Bohrmehl Woran erkennt man Borkenkäferbefall?

Buchdruckerbefall erkennt man bereits zu Beginn des Befallsgeschehens am Auswurf von braunem Bohrmehl, das sich am Stammfuß, in Rindenschuppen, Spinnweben und auf der Bodenvegetation sammelt. Späte Befallskennzeichen sind Spechtabschläge, Abfallen der Rinde, Kronenverfärbungen von unten nach oben oder Nadelverlust der Krone im grünen Zustand.

Bei Kupferstecherbefall in Altbeständen gibt es keine Möglichkeiten der frühen Befallsdiagnose. Meist dauert es mehrere Monate, bis die befallenen Bäume zeichnen. Dann verfärbt sich die Krone vom Gipfel abwärts rotbraun, die Nadeln fallen ab.

Wie hoch ist die Vermehrungsrate von Borkenkäfern?

Ein Weibchen des Buchdruckers legt im Verlauf der Vegetationsperiode 100 – 150 Eier ab. Rechnet man Verluste mit ein, so kann ein Käferweibchen unter günstigen Bedingungen in einem Jahr mehr als 100.000 Nachkommen erzeugen.

Wieviele Jungkäfergenerationen gibt es in einem Jahr?

Unter den derzeitigen klimatischen Bedingungen gibt es beim Buchdrucker im Inneren bayerischen Wald in aller Regel nur eine Jungkäfergeneration, aber mehrere Geschwisterbruten. Im Flachland sind dagegen bei günstiger Witterung bis zu drei Jungkäfergenerationen möglich.

Borkenkäferfraßbild Wie lange dauert der Entwicklungszyklus des Buchdruckers?

Die männlichen Käfer bohren sich ein, legen die Rammelkammer an und locken die weiblichen Käfer an. Die Weibchen legen die Muttergänge an und legen entlang des Muttergangs die Eier ab. Aus den Eiern schlüpfen die Larven. Die Larven (mehrere Larvenstadien) fressen Larvengänge. Am Ende des Larvenganges in der Puppenwiege kommt es zur Verpuppung. Aus der Puppe schlupft der (anfangs hellgelbe) Jungkäfer. Nach einem Reifungsfrass kann sich der Jungkäfer bei günstiger Witterung ausbohren, soweit er nicht unter der Rinde bis zum nächsten Frühjahr überwintert.
Diese Entwicklung dauert im Inneren Bayerischen Wald in der Regel 8 bis 12 Wochen. Allerdings können die Altkäfer nach Anlage der Muttergänge – nach etwa 2–3 Wochen – bereits wieder ausfliegen zur Anlage einer Geschwisterbrut.

Stellen die Bruten und Käfer in geschälter Rinde noch ein Risiko dar?

Von Larven, Puppen und sehr hellen Jungkäfern, die der mechanischen Zerstörung bei der Entrindung entgangen sind, geht keine Gefahr aus. Die geschälte Rinde trocknet aus und die Tiere können ihre Entwicklung nicht beenden.
Ältere Jungkäfer (dunkelbraune Färbung) und Altkäfer (schwarze Färbung) können ausfliegen und neuen Befall verursachen.

Borkenkäferfalle Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für Pheromonfallen?

Pheromonfallen eignen sich zur Überwachung von Borkenkäferpopulationen. Sie liefern Informationen über den Schwärmverlauf (Beginn, Höhepunkte). Ein Einsatz der Fallen zur Borkenkäferbekämpfung ist nicht erfolgreich.

Welchen Einfluss haben natürliche Feinde auf die Käferdichte?

Es gibt zahlreiche natürliche Feinde von Borkenkäfern, z.B. Räuber (Ameisenbuntkäfer, Jagdkäfer), Parasitoide (Erz-, Schlupfwespen), Krankheitserreger (Pilze, Viren). Sie können in großer Zahl auftreten. Ihr Einfluss ist jedoch in der Regel nicht ausreichend, um den Zusammenbruch von Massenvermehrungen herbeizuführen.