Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald

Forschungsprojekt zur Aufarbeitung von Windwurfflächen

Ringdrossel (Foto: Simon Thorn)

Durch immer intensivere Landnutzung ist der Druck auf Waldökosysteme in den vergangenen Jahrzehnten stetig angewachsen. Vor diesem Hintergrund sind unkalkulierbare Störungen wie Stürme und Massenvermehrungen von Borkenkäfern mit hohen ökonomischen Wertverlusten verbunden. Im jährlichen Mittel schädigen Stürme alleine in Europa ca. 18,7 Millionen m³ Holz. In Jahren mit besonders herausragenden Stürmen können sogar bis zu 180 Millionen m³ und damit ein Wirtschaftsvolumen von etwa 16 Milliarden Euro anfallen. Um dieses Holz vor einer Verfärbung durch Pilzbefall oder umliegende Bestände vor einer nachfolgenden Massenvermehrung von Borkenkäfern zu schützen, werden die geschädigten Bäume in der Regel umgehend aufgearbeitet. Andererseits wurden derartig heftige Störungsereignisse in jüngerer Zeit immer stärker als Treiber für Biodiversität und Restauration forstlich überformter Wäldern erkannt. Daher entstehen intensive Diskussionen zwischen Forstmanagern, Ökologen und Naturschützern.

Um einen wissenschaftlich fundierten Mittelweg zwischen diesen Interessensgruppen zu finden, initiierte der Nationalpark ein praxisorientiertes Forschungsprojekt. Dieses Vorhaben wird mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert und soll den Erhalt von Biodiversität in Wäldern verbessern.

Ziele dieses Projektes sind unter anderem:

I. Veränderungen durch Windwurfaufarbeitungen in sechs taxonomischen Gruppen (Totholzkäfern, Vögel, Flechten, Moose, Holzpilze, Gefäßpflanzen) zu identifizieren

II. durch drei Experimente (Stammholz, Äste und Wurzelteller) gezielt praxisrelevante Handlungsalternativen zu entwickeln

III. Empfehlungen für eine naturnähere Räumung von Windwurfflächen, mit Schwerpunkt auf Strukturen, Artenvielfalt und natürlicher Sukzessionsprozesse zu erarbeiten

Diese Ergebnisse sollen es ermöglichen, Biodiversitätsschutz und Prozessschutz in das laufende Forstwirtschaftsmanagement zu integrieren, ohne Wertverluste oder Massenvermehrungen von Borkenkäfern zu riskieren.

Im Rahmen des Windwurfprojektes sind Abschlussarbeiten möglich.

Anfragen bitte an:
simon.thorn(at)freenet.de oder
joerg.mueller(at)npv-bw.bayern.de.

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