Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald

Forschungsprojekt „Totholz und Biodiversität“

Totholz (Foto: Alfred Schiener)

Seit tausenden von Jahren konkurriert der Menschen mit Tieren, Pflanzen und Pilzen um die Ressource Holz. Deutschland ist zu mehr als 30% mit Wald bedeckt. Diese Wälder sind Lebensraum für ca. 15.000 Arten, von denen etwa 1/3 an Totholz gebunden ist.

Waldlandschaften mit ausreichend Totholz sind in Deutschland jedoch aufgrund der langen Nutzungsgeschichte eine Seltenheit und daher sind Arten mit Bindung an Totholz häufig hochgradig gefährdet. Natürlicherweise findet man in Wäldern ca. 100 bis 250 m³ Totholz pro Hektar, in Wirtschaftswäldern hingegen meist weniger als 10 m³ pro Hektar.

Die genauen Wirkungsmechanismen verschiedener Totholzkriterien, wie z.B. Totholzmenge, Baumart oder Durchmesser, auf die Zusammensetzung und Vielfalt der Artengemeinschaften sind sehr komplex und bisher nur teilweise verstanden.

Um diese Zusammenhänge zu entflechten, startete die Nationalparkverwaltung 2012 auf den Managementflächen des Nationalparks ein groß angelegtes Totholzexperiment. Dafür wurden ca. 800 m³ Totholz auf 190 Probeflächen nach einem strengen Versuchsdesign auf verschiedenen Managementflächen vom Altpark (Rachel-Lusen-Gebiet) bis ins Erweiterungsgebiet (Falkenstein-Rachel-Gebiet) ausgelegt. Auf diesen Flächen wird nun in den nächsten Jahren die Vielfalt und Zusammensetzung totholzbewohnender Tier- und Pilzarten, sowie die Veränderung des Nährstoffhaushalts untersucht.

Ziele des Projektes:

Die Ergebnisse sollen einen substantiellen Beitrag zur Verbesserung des Naturschutzmanagements in den Managementflächen des Nationalparks, zur Verbesserung des Vertragsnaturschutzes im Wald und zur Weiterentwicklung von Naturschutzkonzepten in bewirtschafteten Wäldern zu leisten.

Forschungsfragen:

1. Welche Bedeutung haben Totholzmenge (als Ressource für die Totholzorganismen) bzw. die Baumarten- bzw. Größenzusammensetzung des Totholzes für die biologische Vielfalt?
2. Wie können durch eine aktive Totholzanreicherung seltene und gefährdete Arten gezielt gefördert werde?
3. Wie wirken Unterschiede in den Artengemeinschaften auf die Abbauprozesse von Totholz?
4. Wie beeinflussen unterschiedliche Totholzmengen im Wald die Nährstoffkreisläufe im Boden?
5. Wie beeinflusst der Klimawandel diese Muster und Prozesse?

Im Rahmen des Totholzprojekts sind Praktika und Abschlussarbeiten möglich. Anfragen an sebastian-seibold(at)gmx.de oder joerg.mueller(at)npv-bw.bayern.de

Foto: Alfred Schiener