Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald

Erforschung des Raum-Zeit-Verhaltens von Rothirschen

Rotwild (Foto: R. Pöhlmann)

Projektlaufzeit: 2003-2014
Projektbearbeiter: Michael Penn, Horst Burghart, Martin Gahbauer
Projektleiter: Dr. Marco Heurich

Eine 1979-83 durchgeführte Untersuchung zeigte, dass große Teile des Nationalparks Bayerischer Wald nicht von Rothirschen genutzt wurden. Der überwiegende Teil der „Nationalparkhirsche“ überwinterte in den Wintergattern und hatte seine Sommereinstände auf tschechischem Territorium, zwischen der Landesgrenze und dem im Hinterland liegenden Grenzzaun. In den letzten Jahren haben sich jedoch wichtige Einflussfaktoren für die Lebensweise der Rothirsche geändert:

Abbau des Grenzzaunes, so dass ein stärkerer Individuenaustausch mit der Population im Nationalpark Sumava zu beobachten ist. Insbesondere wird eine Expansion von Rothirschen aus dem Böhmerwald in die noch unbesetzten Bereiche im Nationalpark Bayerischer Wald vermutet.

Durch die weitläufigen Kahlflächen auf tschechischem Territorium und die großen zusammenhängenden Totholzflächen im Nationalpark Bayerischer Wald haben sich die Äsungsverhältnisse erheblich verbessert. Die geringe Schneelage der letzten Jahre und die damit verbundene günstigere Nahrungsverfügbarkeit und Beweglichkeit, ermöglichte dem Rotwild sogar die Überwinterung in den oberen Hanglagen. Die erst seit wenigen Jahren im Gebiet vorkommenden Arten Wildschwein und Luchs könnten eine Veränderung des Raum-Zeit-Systems des Rothirsches bewirken.

Seit einigen Jahren wird der Rothirsch nicht mehr in der Naturzone des Nationalparks bejagt, bisher gibt es nur Vermutungen, wie die Tiere auf diese Beruhigung reagieren.

Die vorliegende Untersuchung ist ein erster Schritt, um grundlegende Daten über die aktuelle Raumnutzung von Rothirschen im Nationalpark Bayerischer Wald und dem Nationalpark Sumava zu erhalten. Damit wird es möglich, den Einfluß der oben genannten Faktoren auf das Verhalten der Tiere näher zu beleuchten und basierend auf diesen Ergebnissen den Umgang mit dem Wildtier Rothirsch nationalparkgerecht weiterzuentwickeln.