Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald

Sozioökonomie

Einstellungen, Einschätzungen und Inwertsetzungen von Leistungen der Natur (z.B. Ausgaben für eine Reise in das Nationalparkgebiet, monetäre Umsätze) lassen sich direkt oder indirekt über Interview-Methoden ermitteln, die in den Sozialwissenschaften bewährt sind. Dazu gehören telefonische und/oder Vor-Ort-Befragungen sowohl von Nationalparkbesuchern wie auch von Personen aus der örtlichen Bevölkerung. Je nach Untersuchungszweck können Interviews standardisiert (Auswahl von vorgegebenen Antworten), halb standardisiert oder offen sein.
So können beispielsweise Probanden nach ihren bevorzugten Informationsquellen über den Nationalpark befragt werden oder ob bestimmte Besucherangebote (z.B. Wanderwege, Buslinien, Informationen) ihren Wünschen entsprechen.

Fragen nach dem „Umgang mit dem Wald“ sind von zentraler Bedeutung für die Einschätzung der Akzeptanz des Nationalpark-Managements. Hier haben sich die sogenannten Nationalparkleiterfragen bewährt. Der Befragte wird gebeten, sich in die Rolle des Nationalparkleiters zu versetzen und über bestimmte Handlungen im Nationalpark (z.B. Borkenkäferbekämpfung) fiktiv zu entscheiden. Auf diese Weise wird offenbar, inwieweit das
Handeln der Verwaltung von den Vorstellungen der Befragten abweicht. In Verbindung mit festgestellten bzw. befragten Sozialdaten wie Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss und Wohnregion (z.B. über Postleitzahlen) lassen sich die Antworten nach Gruppen differenzieren und darauf abgestimmte Empfehlungen für das künftige Management (auch Gestaltung der Informations- und Bildungsarbeit) ableiten.

Neben der direkten Befragung ist vor allem zur Quantifizierung der wirtschaftlichen Bedeutung des Nationalparks (z.B. wie viele Arbeitsplätze induziert der Nationalpark, wie hoch ist das durch den Nationalpark generierte Einkommen oder die regionale Wertschöpfung?) die Auswertung amtlicher Statistiken (z.B. Herleitung regionaler Geld- oder Warenströme über Gemeindestatistik, Arbeitsstättenzählung, statistische Jahrbücher des Bundes und der Länder) angesagt. Die in den letzten Jahren übliche Zusammenschau amtlicher Statistiken mit den Erkenntnissen sozialwissenschaftlicher Forschungsinstitute erlaubt einen tieferen Einblick auch in regionale Lebensverhältnisse (z.B. jährlich erscheinende Sozialberichte für Deutschland oder die Regionaldatenbank Deutschland). Die meisten Informationen aus diesem Bereich sind heutzutage schnell über das Internet zu beziehen.

Speziell zur zusätzlichen Analyse von Einstellungen einzelner Bürger der Region hat sich die Auswertung der regionalen Presse bewährt. Leserbriefe, die mit Namen und Wohnort der Autoren gezeichnet sind, lassen meist sehr deutlich Schwerpunkte von Pro und Contra zu Nationalpark-Themen erkennen.