Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Sensationeller Pilzfund im Nationalpark Bayerischer Wald

Rundsporige Nadelholz-Scheinlorchel gilt als Totholzspezialist

Foto Pseudorhizina sphaerospora: (Foto: Claus Bässler)Pilzkundler der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft und des Vereins für Pilzkunde München haben im Auftrag der Nationalparkverwaltung erneut Fruchtkörper der Rundsporigen Nadelholz-Scheinlorchel (Pseudorhizina sphaerospora) aufgespürt. Der Schlauchpilz wurde Mitte Juni des Vorjahres beim GEO-Tag der Artenvielfalt im Urwald Mittelsteighütte entdeckt und hat unter den Experten helle Begeisterung ausgelöst. Denn die Pilzart steht auf der Roten Liste der gefährdeten Großpilze und gilt deutschlandweit als extrem selten. Der letzte Fund stammt aus Brandenburg und liegt rund 80 Jahre zurück. Die Verbreitung der Rundsporigen Nadelholz-Scheinlorchel ist in Mitteleuropa primär auf feuchte Bergnadelwälder beschränkt, in denen dicke Baumstämme liegen bleiben und auf natürliche Weise verrotten dürfen. In bewirtschafteten Wäldern sucht man den Pilz vergeblich. Dies unterstreicht generell den hohen Wert des Nationalparks Bayerischer Wald als Refugium für bedrohte Lebewesen.

Der Fund im Nationalpark Bayerischer Wald umfasste zwei Fruchtkörper, die seitlich an der hangaufwärts gerichteten Stammseite einer umgestürzten Fichte wuchsen. Im Durchmesser maß der mit Moosen und Farnen bedeckte Baumriese mehr als einen halben Meter. Das Holz war bereits recht vermorscht (späte Optimal- bis frühe Finalphase). Standort war ein ansteigender Buchen-Fichten-Tannen-Mischwald auf feuchtem, saurem Boden am Oberlauf eines Baches.

Mit dem Aussehen eines Champignons oder Steinpilzes hat die Rundsporige Nadelholz-Scheinlorchel allerdings wenig gemein: Der 7 cm lange, stark gerippte Stiel ähnelt eher einer mehrstämmigen Würgefeige. Auffallend ist der pinke Farbton, der von unten weit in den sonst blass-cremefarbenen Stielbereich hinaufflammt. Der Stiel geht nahtlos in den bis zu 12 cm breiten, aufgeblasen-gewölbten Hut über. Die Form erinnert an einen flach zusammensackenden Heißluftballon. Die Sporen werden in der äußeren, braunen Fruchtschicht gebildet, die Verbreitung erfolgt durch den Wind.

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