Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Projekt: Die Gefäßpflanzen-Flora des Nationalparks Bayerischer Wald

Dissertation von W. Diewald, Universität Regensburg

War das Wissen über die Farn- und Blütenpflanzenflora des Nationalparks Bayerischer Wald lange Zeit sehr lückenhaft, so wird mit Abschluß von dieser Dissertation und drei vorangegangenen Diplomarbeiten ein wichtiger Beitrag über seine Naturausstattung geleistet. Durch die systematische Erfassung des aktuellen Vorkommens von Gefäßpflanzen auf der Basis des Gauß-Krüger-Koordinatensystems (1 x 1 km²-Raster) wird das Verbreitungsmuster der Pflanzen deutlich. In Verbindung mit der umfassenden Auswertung historischer Daten können Aussagen zur Hemerobie (Natürlichkeitsgrad) und zum floristischen Status (einheimisch – gebietsfremd) in vielen Fällen getroffen werden. Außerdem wird die soziologische Anbindung an die verschiedenen Pflanzengesellschaften im Nationalpark deutlich.

Europäischer Siebenstern (Trientalis europaea)Darüber hinaus gibt diese Arbeit wichtige Hinweise für das Nationalpark-Management und zukünftige Monitoring-Aufgaben, denn im Nationalparkgebiet konnte eine Vielzahl von Arten, die unter verschiedenen Gesichtspunkten von großer Bedeutung sind, gefunden werden.

Der Nationalpark Bayerischer Wald beherbergt – verglichen z. B. mit dem Bayerischen Alpenraum – eine relativ geringe Anzahl von Gefäßpflanzenarten. Bei den mehrjährigen Geländearbeiten konnten von den Bearbeitern zwischen 850 und 900 Sippen nachgewiesen werden. Etwa die Hälfte davon werden als „alteinheimisch“ eingestuft, die andere Hälfte profitierte von den Einflüssen des Menschen in der Vergangenheit, wie Rodung und land- und forstwirtschaftliche Nutzung. Während einige Arten, wie die Rasenschmiele (Deschampsia flexuosa), das Schattenblümchen (Maianthemum bifolium) oder der Breitblättrige Dornfarn (Dryopteris dilatata) über das gesamte Untersuchungsgebiet verbreitet sind, weisen Arten, wie der Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina), der Platanenblättrige Hahnenfuß (Ranunculus platanifolius), der Europäische Siebenstern (Trientalis europaea) oder die Österreichische Gemswurz (Doronicum austriacum) deutliche Verbreitungsmuster auf, die sich mit dem Vorkommen der verschiedenen Pflanzengesellschaften decken.

Verbreitungskarte des europäischen Siebenstern im Nationalpark Bayerischer WaldDer Nationalpark beherbergt eine ganze Reihe von sehr bemerkenswerten Pflanzenarten. Erwähnt werden müssen z.B. Arten mit arktisch-alpinen Verbreitungsschwerpunkt, wie z.B. Schlamm- und Rieselsegge (Carex limosa, C. paupercula), Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) oder die Blumenbinse (Scheuchzeria palustris), einige davon können als sogenannte Eiszeitrelikte angesprochen werden, wie das Nickende Weidenröschen (Epilobium nutans) oder das Resedenblättrige Schaumkraut (Cardamine resedifolia). Darüber hinaus hat der Nationalpark Bayerischer Wald eine „Arche-Funktion“ für viele seltene und hochgradig gefährdete Arten, finden sich hier doch die bedeutendsten Populationen der Mondrautenfarne (Botrychium multifidum und B. matricariifolium) oder Flachbärlappe (Diphasiastrum spec; sämtliche sechs Arten im Gebiet vorkommend!) in ganz Deutaschland!

Die Dissertation wird Ende diesen Jahres fertig gestellt, die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgt in der Schriftenreihe der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft („HOPPEA“, Bd. 69) im Jahr 2008.

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