Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Bildungsarbeit im Nationalpark Bayerischer Wald

Ziele

Die vorrangigen Ziele der Bildungsarbeit im Nationalpark sind:

  • die Idee, die Ziele und die Aufgaben des Nationalparks zu vermitteln,
  • durch einen intensiven Dialog zwischen Nationalparkverwaltung und Bevölkerung Verständnis für den Nationalpark zu wecken, Freunde für den Nationalpark zu gewinnen und die Integration des Nationalparks in die Region zu fördern,
  • Verständnis für die natürlichen Abläufe und die entstehende Wildnis im Nationalpark, insbesondere vor Ort, zu wecken,
  • den Eigenwert der Natur - unabhängig vom menschlichen Nutzungsdenken - herauszustellen,
  • Interesse und Verständnis für den Natur- und Umweltschutz zu erzielen, zu einem überlegten und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen anzuregen und im Sinne einer Nachhaltigkeitsbildung Schlüsselkompetenzen zu fördern, die Menschen befähigen, die Zukunft zu gestalten,
  • zu einem Wertewandel in der Gesellschaft hin zu einem nachhaltigen Lebensstil beizutragen
    zu vermitteln, dass Nationalparke Teil eines welt-weiten Netzwerkes sind und eine globale Verantwortung für den Erhalt biologischer Vielfalt tragen,
  • einen Beitrag zum interkulturellen Dialog zu leisten, insbesondere die Intensivierung der grenzüberschreitenden deutsch-tschechischen Nationalpark-Bildungsarbeit,
  • Wissen über die Natur-, Nutzungs- und Kulturgeschichte der Landschaft und der Menschen der Nationalpark-Region zu vermitteln sowie
  • der Aufbau und die Mitarbeit in regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken von Bildungsakteuren zur Etablierung und Weiterentwicklung der eigenen Arbeit.

Zielgruppen

Da die Bildungsarbeit in ihren Methoden und Programmen zielgruppenspezifisch ausgerichtet ist, werden folgende Zielgruppen unterschieden:

  • Kinder, Jugendliche, Schüler, Elementarbereich
  • örtliche Bevölkerung, örtliche Schulklassen
  • Feriengäste
  • Multiplikatoren (z. B. Lehrer, Touristiker, Politiker, Nationalpark-Partner)
  • Fachgruppen (z. B. Naturschutzfachleute, Forstleute, Studenten, …)
  • spezielle Gruppen (z. B. Behinderte, Jugendliche mit sozial schwachem Hintergrund, Migranten, …)
  • internationale Gruppen, insbesondere deutsch-tschechische
  • eigene Kollegen

Mittel/Methoden

Die Bildungsarbeit in einem Nationalpark mit seiner faszinierenden Naturausstattung setzt zwingend bei der originären Naturerfahrung an. Das direkte Naturerleben ist eine zentrale Grundlage der Bildungsangebote. Zunächst sollen die Besucher die Natur, die sich in Nationalparken als „Wildnis" weitgehend unbeeinflusst vom Menschen entfalten kann, erleben und erfahren dürfen.

Die Erfahrung des selbsttätigen Erlebens stellt eine wichtige Komponente im handlungsorientierten und erfahrungsintensiven Lernen dar. Naturerfahrung und sinnliches Naturerleben stellen eine Grundlage von Umweltbewusstsein und Umwelthandeln dar. So belegen Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von direkten Naturerfahrungen, sowohl mit Umweltwissen, als auch mit Umwelthandeln.

Lernen im Nationalpark heißt damit „Erleben vor Ort“, „Erfahren am unmittelbaren Objekt“, „Reflektieren“ und „Transfer des Erlebten und der Erkenntnisse in den persönlichen Bereich zu Hause“. Um intensive Erlebnisse in der Natur und bei Bildungsveranstaltungen zu verarbeiten wird großer Wert auf die Reflexion des Erlebten gelegt.

Der Schwerpunkt bei der Methode des direkten Naturerlebens liegt darin, die Aufmerksamkeit auf Unscheinbares, scheinbar Unwichtiges und Übersehenes zu lenken und so die Bedeutung des „Kleinen“ und Verborgenen hervorzuheben. Das Einüben und Ausprobieren kommunikativer und sozialer Kompetenz sind dabei wichtige Erfahrungsfelder für die Adressaten. Viele Programme und Bildungsangebote des Nationalparks werden deshalb mit erlebnispädagogischen Elementen und Methoden angereichert.

Gerade für Zielgruppen, die von den meisten bisherigen Umweltbildungsangeboten nur schwer erreicht werden, spielt das direkte Naturerleben eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund werden auch immer wieder Angebote für spezielle Zielgruppen, wie z. B. Behinderte, Jugendliche mit sozial schwachem Hintergrund, Suchtkranke und Menschen mit Migrationshintergrund, methodisch ausgearbeitet.

Diese Wurzeln im Naturerleben waren und werden auch künftig die Basis für die Weiterentwicklung von Bildungsprogrammen sein. Für bestimmte Zielgruppen ist es jedoch besser, über gewohnte Medien an die Natur heranzuführen und zu begeistern z. B. bei der Zielgruppe der Jugendlichen über Mobiltelefon, GPS-Geräte, GIS-Anwendungen oder Internet.

Eine besondere Bedeutung in der Bildungsarbeit kommt den Methoden zur Ausbildung von Gestaltungskompetenz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zu. Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt hier bei alltags-orientierten Methoden, welche an die Lebenswelt der verschiedenen Zielgruppen anzuknüpfen versuchen. Dabei geht es in erster Linie um die intensive Auseinandersetzung mit einem für den Alltag der Teilnehmer bedeutsamen Phänomen: Hinter unpersönlichen und zunächst abschreckenden Fremdwörtern wie „Biodiversität“ oder „Globaler Klimawandel“ verstecken sich Dinge, die jeden von uns im Alltag betreffen und die letztendlich die Grundlagen unseres Überlebens sichern. Auch Ansätze wie beispielsweise Erzählcafé und Berichte von Zeitzeugen folgen dem methodischen Ansatz der Alltags- und Lebensweltorientierung.

Darüber hinaus werden handlungsorientierte Methoden angewandt, die auf konkrete Bewusstseins- und Verhaltensänderungen der Teilnehmer abzielen. So gehören die Auseinandersetzung mit kulturellen Leitbildern sowie die Reflexion der Auswirkungen des eigenen Lebensstils und der eigenen Konsummuster auf Natur und Umwelt zu den wichtigsten Lernzielen der Bildungsarbeit im Nationalpark. Bildungsprogramme z. B. zum „Ökologischen Fußabdruck“ verdeutlichen den Teilnehmern die Konsequenzen ihres eigenen Handelns und eröffnen Handlungsalternativen.

Auch Methoden des Selbstorganisierten Lernens (z. B. Zukunftswerkstatt, Rollenspiele wie Weltklimakonferenz, selbständiges Erarbeiten von Inhalten mit bereitgestellten Informationsmaterialien usw.) kommen zum Einsatz. Dabei zielen diese Methoden nicht auf die reine Vermittlung von Sachwissen, sondern auf die Ermöglichung von Aneignungserfahrungen ab.

Umweltbildung beinhaltet stets auch eine politische Komponente. Deshalb sind auch Methoden zur Entwicklung der Partizipationsfähigkeit (z. B. beim Bayerisch-Böhmischen Jugendforum) von besonderer Bedeutung.

Inhaltliche Ausrichtung

Die Bildungsarbeit im Nationalpark setzt an verschiedenen Schwerpunkten und Inhalten an, dies sind im Wesentlichen:

Natur Natur sein lassen:

Im Nationalpark darf jedes Lebewesen, ob Fichte oder Specht, so sein wie es ist, ohne Unterscheidung in „nützlich“ oder „schädlich“. Auch der Mensch soll so akzeptiert werden, wie er ist. Das heißt, jeden ernst nehmen, seine Anliegen, seine Fragen. Nicht zuschütten mit Wissen oder Aktivitäten, sondern sein Potential entwickeln helfen. Dort wo die Maxime „Natur Natur sein lassen“ gilt, entsteht Wildnis. Dort wird verlangt, nichts zu stören und nichts zu zerstören. Es gilt, Respekt zu vermitteln vor dem was ist. Wir wissen viel zu wenig über die Prozesse und Ergebnisse natürlicher Abläufe und sollten deshalb tolerant zusehen, beobachten und daraus lernen. Sich auf Natur einlassen, heißt offen sein für Entwicklungen, mitfühlen und erleben, Ruhe im Betrachter schaffen, Toleranz gegenüber der Dynamik, Toleranz gegenüber dem noch nicht Verständlichen, Toleranz vor dem Neuen, sich entwickeln lassen, nicht eingreifen, Ängste zulassen.

Zeitdimensionen:

Natur verstehen heißt, in anderen zeitlichen Dimensionen denken, als es für Menschen normal üblich ist. Es gibt die Möglichkeit das Kurzlebige (Eintagsfliege) genauso zu beobachten wie das Langlebige (Tanne). Zeitdimension anderer Art sind geologische Zeiträume oder die Zeiträume, die für evolutive Prozesse von Nöten sind. Pädagogisch umgesetzt heißt dies: alles braucht Zeit, auch jeder Mensch braucht seine Zeit, hat seine Zeit. Der eine lernt schnell, der andere langsam.

Das neue, andere Bild:

Das Bild von sich selbst überlassener Landschaft ist zunächst ein neues, ungewohntes. Dabei ist es wichtig, diese neuen, veränderten Sichtweisen so erleben zu lassen und darzustellen, dass sie nachvollziehbar sind. Bilder in den Köpfen führen oft zu Verständigungsschwierigkeiten, denn jeder hat sein eigenes Bild. Bildungsarbeit kann zu einem Perspektivenwechsel beitragen und neue Aspekte zu Tage fördern, kann helfen Sachverhalte neu zu reflektieren.

Verantwortung für Schöpfung:

Naturschutz hat auch eine moralisch-ethische Dimension, ebenso wie eine religiöse. Diese Dimensionen und auch unterschiedliche Sichtweisen können mit den Teilnehmern erarbeitet werden.

Werden und Vergehen/Kreisläufe:

Die Abläufe in Naturwäldern sind geprägt von ewigen Kreisläufen, nichts geht verloren, alles ist vernetzt und steht in einem komplexen Abhängigkeitsgefüge. Tod und Sterben gehören ebenso dazu wie vermeintliches Chaos und Ordnung. Aus diesen natürlichen Vorbildern lassen sich Parallelen zu menschlichem Handeln finden, sie bieten Anlass eigenes Handeln zu reflektieren.

Heimat, Geschichte, Kultur:

Der Nationalpark ist Schnittstelle zwischen Natur und Kultur in einer gemeinsamen Region. Er bricht mit den Traditionen und schafft neue Perspektiven. Es gilt daher, neben ökologischen auch historische und kulturelle Aspekte zu vermitteln, um ein ganzheitliches Bild der Region zu kommunizieren. Einen Zugang bieten z. B. die Kunst des Bayerischen Waldes und des Böhmerwaldes, oder etwa die Sagen, Legenden, Märchen und Erzählungen.

Ökologischer Fußabdruck:

Der Ökologische Fußabdruck ist ein sehr anschauliches Instrument zur Reflexion des eigenen Lebensstils. Es gibt Anstöße das Dreieck der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie, Soziales) in all seinen Dimensionen zu diskutieren und regt zu konkreten Verhaltensänderungen an.

Biodiversität und Globaler Klimawandel:

Biologische Vielfalt (so wie sie in einem Nationalpark er-lebbar ist) und deren Bedrohung ist ein Themenfeld, das sich über den Naturschutz hinaus hinein in den Lebensalltag eines jeden einzelnen transferieren lässt. Ebenso betrifft der globale Klimawandel nicht nur den Naturraum, sondern auch uns Menschen. Wie sind die Zusammenhänge, wo liegen Ursachen, wie kann jeder Lösungsansätze finden und umsetzen?

Natur - Mensch - Technik:

Die Ebenen Natur - Mensch - Technik sollen gewinnbringend miteinander vernetzt werden und die urwüchsige Natur des Nationalparks mit der Technikbegeisterung der Jugendlichen verbinden.