Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Informationen zu den aus dem Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Falkenstein entlaufenen Wölfen

Was ist passiert?

In der Nacht auf Freitag, den 6.10.2017 sind sechs Wölfe aus dem Gehege des Nationalparkzentrums Falkenstein bei Ludwigsthal frei gekommen. Ein Wolf wurde bereits in dieser Nacht durch einen Zug auf der in der Nähe vorbeiführenden Waldbahn-Strecke getötet.

Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar. Mittlerweile verdichten sich die Hinweise, dass das Tor von Dritten manipuliert wurde. Die Nationalparkverwaltung hat das weitere Vorgehen mit Polizei, Regierung von Niederbayern, Landratsamt Regen und dem Bayerischer Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz abgestimmt.

Wie ist der aktuelle Stand?

Die Suche nach den entlaufenen Wölfen läuft nach wie vor auf Hochtouren. Es wird alles Mögliche unternommen, um der Tiere lebend habhaft zu werden. Mit Hilfe der Nationalparks Šumava und Berchtesgaden wurden die Bemühungen verstärkt, die vermutlich mutwillig von Dritten freigelassenen Wölfe lebend zu fangen. Leider mussten bereits zwei der Tiere getötet werden, da ein Einsatz von Narkosegewehren nicht möglich war. Ein weiteres Tier wurde von einem Zug erfasst und getötet.       Eine Wölfin tappte in eine der Lebendfallen und befindet sich wieder im Gehege.

Wie verhalte ich mich bei einer Begegnung bzw. Sichtung eines Wolfs?

Beim Aufeinandertreffen mit einem Wolf sollte man dem Tier gegenüber mit Respekt begegnen. Man sollte nicht weglaufen, sondern sich langsam zurückziehen. Sollte einem ein Wolf trotzdem zu nahe kommen, sollte man auf sich aufmerksam machen, laut sprechen, gestikulieren oder sich anderweitig bemerkbar machen. Hunde sollten in jedem Fall angeleint sein. Dem Wolf sollte man weder nachlaufen, noch Futter anbieten oder Fotos machen wollen.

Bitte melden Sie jede Begegnung mit einem Wolf bei der Polizei Zwiesel unter + 49 (0) 9922 84060. So können die Lebendfallen in dem Gebiet aufgestellt werden, in denen es die meisten Sichtungen gibt. Auch der Einsatz mit den Narkosegewehren kann so besser koordiniert werden, was die Überlebenschancen der verbliebenen Wölfe erhöht.

Für Hinweise auf den Täter, der das Freigehege der Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald geöffnet hat, hat das Bayerische Umweltministerium 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt. Mehr Informationen dazu lesen sie      hier.

 

Fragen und Antworten

Umgehendes Handeln ist deshalb zwingend erforderlich, ….

  • … um Konflikte mit Menschen zu vermeiden.
  • … weil die Gehege-Wölfe je nach körperlicher Verfassung mit zunehmender Dauer in Freiheit durchaus lernen können zu überleben und zu jagen. Die Tiere verlernen aber nicht, dass der Mensch mit Nahrung verbunden ist. In Ortsnähe, wo sie nach menschlichen Abfällen suchen, oder an Wildfütterungen, wo leichte Beute zu finden ist, könnte es dabei etwa zu einer für den Menschen gefährlichen Beuteverteidigung kommen. Die Wahrscheinlichkeit für derartige Verhaltensmuster ist bei Gehege-Wölfen signifikant höher als bei wilden Wölfen.
  • … weil man verhindern muss, dass sich die Gehege-Wölfe mit den wilden freilebenden Wölfen vermischen und unerwünschte Verhaltensweise, wie die fehlende Vorsicht vor dem Menschen, weitergeben. Nicht alle entlaufenen männlichen Tiere sind kastriert.
  • … weil es angesichts der derzeitigen bayernweiten Diskussion über die Rückkehr der wilden Wölfe gilt, mögliche Konfliktsituationen zu vermeiden, um den wilden Wölfen ein Leben in unseren Wäldern nicht von vornherein unmöglich zu machen. Im Nationalparkgebiet gibt es bereits ein wild lebendes Rudel.


Wilde Wölfe zeigen eine natürliche Vorsicht vor Menschen und meiden sie. Gehege-Wölfe dagegen sind Menschen gewohnt und zeigen weniger Fluchtverhalten. Gehege-Wölfe vergessen nicht die Verbindung zwischen Mensch und Futter, sie haben den Kontakt mit Menschen gelernt und zeigen kaum natürliche Zurückhaltung. Daher kann es im Vergleich zu wilden Wölfen viel wahrscheinlicher zu Konfliktsituationen kommen, etwa wenn Beute verteidigt wird.


Ein mit Druckluft betriebenes Betäubungsgewehr funktioniert prinzipiell zwar auf größere Distanzen. Dafür muss jedoch ein hoher Druck gewählt werden, wodurch die getroffenen Tiere schwer verletzen werden könnten. Zuverlässig treffen solche Waffen bei Wölfen, die über ein schnelles Reaktionsvermögen und eine geringe Körpergröße verfügen, nur auf etwa 20 bis 30 Meter Entfernung. Selbst geringste Windgeschwindigkeiten beeinflussen die Geschosse signifikant in der Flugbahn. Mit dem Abschuss des Pfeils ist darüber hinaus ein Geräusch verbunden, auf welches das beschossene Tier reagiert und je nach Distanz dem Pfeil somit ausweichen kann. Würde man den Druck beim Schuss erhöhen, um den Pfeil zu beschleunigen, könnte der Pfeil abprallen oder die Wirkung des Narkosemittels könnte durch einen zu starken Aufprall vermindert werden, im Extremfall kann es zu schweren Verletzungen des beschossenen Tiers kommen. Aufgrund der Lernfähigkeit der Wölfe werden diese zudem bei jedem missglückten Betäubungsversuch misstrauischer, so dass ein schneller Erfolg unabdingbar ist. Um Narkosegewehre überhaupt einsetzen zu können, bedarf es einer speziellen Schulung und fundierter veterinärmedizinischer Kenntnisse. Schließlich muss die Betäubungsdosis richtig gewählt werden, um effektiv zu sein. Ist sie zu stark, stirbt das Tier. Der Einsatz ist also sehr schwierig. Im Vergleich dazu ist ein Treffer mit scharfer Munition auch auf Entfernungen von 100 bis 150 Metern noch relativ gut durchführbar.