Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

27.03.2014
Nr. 0018/14
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Tschechischer Naturschutz-Amtschef Dolejský besucht Nationalpark Bayerischer Wald

Vereinbarung intensiver Zusammenarbeit in Nationalparkphilosophie und -praxis

Waldbegang am Seelensteig: Vladimír Dolejský, Amtschef für Naturschutz im tschechischen Umweltministerium (l.), und Nationalparkleiter Franz Leibl (r.) vereinbarten bei ihrem Arbeitstreffen eine Intensivierung der Zusammenarbeit der Nationalparks Šumava und Bayerischer Wald

Waldbegang am Seelensteig: Vladimír Dolejský, Amtschef für Naturschutz im tschechischen Umweltministerium (l.), und Nationalparkleiter Franz Leibl (r.) vereinbarten bei ihrem Arbeitstreffen eine Intensivierung der Zusammenarbeit der Nationalparks Šumava und Bayerischer Wald

Am 26. März 2014 besuchte Dr. Vladimír Dolejský, seit Februar 2014 Amtschef für Naturschutz in Tschechien und damit höchste politische Autorität in diesem Bereich nach dem Umweltminister, den Nationalpark Bayerischer Wald. Im Mittelpunkt des Erfahrungs- und Meinungsaustausch mit Dr. Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, standen Themen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sowie neue Impulse für die Weiterentwicklung der naturschutzfachlichen Ausrichtung des Nationalparks Šumava. Beide Seiten waren sich einig, die Zusammenarbeit beider Parks wieder so zu intensivieren, dass sie zu einem europaweit bedeutenden, internationalen Schutzgebiet mit einheitlichen Managementzielen zusammenwachsen, die vom Kerngedanken des Prozessschutzes geprägt sind und den Standards der IUCN-Schutzkategorie II entsprechen.

„Für uns ist der Nationalpark Bayerischer Wald in vieler Hinsicht ein Vorbild für die Entwicklung, die wir auch für den Nationalpark Šumava erreichen wollen“, sagte Vladimír Dolejský anlässlich seines Besuches. Dies gelte insbesondere für die konsequente und kontinuierliche Umsetzung der im Nationalparkplan definierten Naturschutzziele, die gelungene Kommunikation mit allen Interessengruppen und die sehr gut funktionierende Akzeptanzförderung bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Interessen der Besucher, für die der Park in weiten Teilen frei zugänglich geblieben und erschlossen sei, so der tschechische Amtschef weiter.

„In den letzten drei Jahre ist Šumava nicht wie ein Nationalpark gemanaget worden. Dies wollen wir jetzt ändern und ein klares Signal dafür setzen, dass eine Schaffung von großen Schutzgebieten möglich ist, in denen die Schutzgüter erste Priorität genießen, die Belange der Besucher und Anwohner jedoch ebenfalls angemessen gewürdigt werden. In diesem Sinne sehen wir die künftige Zusammenarbeit der beiden Nationalparke Šumava und Bayerischer Wald als Leuchtturm-Projekt mit Vorbildfunktion für weitere grenzüberschreitende deutsch-tschechische Schutzgebiete“, so Dolejský.

„Für mich persönlich gehört die Zusage einer neu gestalteten, ehrlichen und intensiven Zusammenarbeit mit unserem ‚Schwesternationalpark‘ Šumava zu den besten Nachrichten des Jahres“, kommentierte Nationalparkleiter Franz Leibl den Austausch mit Amtschef Dolejský. „Wir werden alles tun, um unsere tschechischen Nachbarn nach besten Kräften bei der Weiterentwicklung ihrer Nationalparkziele zu unterstützen. Besonders wichtig ist mir, dass wir mit unseren tschechischen Partnern speziell im unmittelbaren Grenzbereich der beiden Parks möglichst bald zu vergleichbaren Regelungen und der Verwirklichung von gemeinsamen Managementzielen kommen“, so Leibl weiter.

Die Ausarbeitung der zukünftigen Zusammenarbeit der beiden Nationalparke im Detail soll zeitnah in Gesprächen zwischen den beiden Nationalparkleitungen Bayerischer Wald und Šumava erfolgen. Insbesondere soll es hier um die Weiterentwicklung der beiden Memoranden zur Zusammenarbeit der beiden Parks von 1999 und 2005 gehen, die Erneuerung des 2009 erstmals von der Europarc Federation verliehenen „Transboundary Certificate“ für grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie um konkrete gemeinsame Projekte in der Umweltbildung, der Forschung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Besucherinfrastruktur. Bei der Besucherinfrastruktur soll ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für grenzüberschreitende Wegeführung gelegt werden, die besuchergerechte Grenzübertritte ermöglicht, ohne dass aus naturschutzfachlichen Gründen eingerichtete Ruhezonen, beispielsweise für das besonders störempfindliche Auerhuhn, beeinträchtigt werden.

Zum Hintergrund:

Seit 1991 bilden die beiden aneinandergrenzenden Nationalparke Bayerischer Wald (D) und Šumava (CZ) das größte Wald-Naturschutzgebiet in Mitteleuropa. Da Nationalparke als höchste Naturschutzkategorie die ungestörte Naturentwicklung in ursprünglichen Landschaften schützen, kann durch die bayerisch-tschechische Nachbarschaft der beiden Großschutzgebiete ein einmalig großräumiger europäischer „Urwald von morgen“ entstehen. 2009 wurden die beiden Nationalparke aufgrund erfolgreicher grenzüberschreitender Zusammenarbeit zur Verwirklichung dieser Vision von der internationalen Organisation Europarc Federation mit dem „Transboundary Certificate“ ausgezeichnet.

Für die naturschutzfachliche Ausrichtung und Umsetzungspraxis der beiden Großschutzgebiete sind die jeweiligen Nationalparkverwaltungen sowie die Umweltministerien in Prag und München zuständig. Obwohl auf beiden Seiten seit vielen Jahren die „Premium-Marke“ Nationalpark als Garant für einmalige Naturerlebnisse steht und damit der wichtigste Grund für Besucher ist, in der Region Urlaub zu machen, leitete die tschechische Seite 2010 einen Paradigmenwechsel ein mit der Zielrichtung, mehr wirtschaftliche und touristische Nutzung statt natürlicher Waldentwicklung im Nationalpark Šumava zu ermöglichen. Dies führte zu einem schrittweisen Rückgang der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Darüber hinaus waren Gesetzesvorhaben in Planung, die faktisch zu einer inhaltlichen Auflösung des Nationalparkgedankens für den Nationalpark Šumava geführt hätten, da Holznutzung und Jagd auf der deutlich überwiegenden Fläche des Parks dauerhaft erlaubt sowie Bebauung kaum geregelt gewesen wären. Die Neuwahlen in Tschechien Ende 2013 mit der anschließenden Regierungsumbildung sorgten jedoch dafür, dass es nun zu einer Neuausrichtung im Umwelt- und Naturschutz kommt, die auch die Zukunft von Tschechiens größten und bekanntesten Nationalpark betrifft.

Bildunterschrift:

Waldbegang am Seelensteig: Vladimír Dolejský, Amtschef für Naturschutz im tschechischen Umweltministerium (l.), und Nationalparkleiter Franz Leibl (r.) vereinbarten bei ihrem Arbeitstreffen eine Intensivierung der Zusammenarbeit der Nationalparks Šumava und Bayerischer Wald. (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

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