Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

29.01.2014
Nr. 006/14
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„Es war spannend, nach Ähnlichkeiten zu suchen“

Ausstellungseröffnung im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald

Der Mensch hinter Dodama – Hans Blöchinger, Vereinsvorsitzender der Koishüttler Lousnachtgeister, Zeremonienmeister und im Nebenberuf Leiter des Agrarzentrums in Kringell

Der Mensch hinter Dodama – Hans Blöchinger, Vereinsvorsitzender der Koishüttler Lousnachtgeister, Zeremonienmeister und im Nebenberuf Leiter des Agrarzentrums in Kringell

Am Freitag, den 24. Januar 2014, hatte der Nationalpark zur Vernissage der Ausstellung „Wer steckt dahinter? Masken und ihre Träger“ im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald geladen. Gut 100 Gäste waren der Einladung gefolgt, um die dort präsentierten wilden Masken der Koishüttler Lousnachtgeister aus der Nähe zu bestaunen und sich über die exzellenten Portraits der Fotografin Daniela Blöchinger ein Bild von den Menschen zu machen, die die Masken Jahr für Jahr in der Lousnachtsaison mit Leben erfüllen. Gezeigt werden rund 20 Masken und 40 Fotos; die Ausstellung ist täglich bis einschließlich 1. Juni 2014 zusehen, der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr, ab 1. Mai bis 18.00 Uhr.

Sie hausen in dunklen Höhlen zwischen Rachel und Lusen. Sie heißen Mühlhiasl, Schluderschlenz, Durandl, Wecklin, Lusen Hex, Woidhaus Mich, Dodama, Drud oder Räuber Heigl. In den Lousnächten zwischen Thomastag am 21. Dezember und Heilige Drei Könige am 6. Januar, der Jahreszeit der kürzesten Tage und längsten Nächte, erwachen die Lousnachtgeister zum Leben. Wir normalen Menschen bekommen die Teufel, Hexen und Sagengestalten des Bayerischen Waldes in dieser Zeit häufiger zu sehen mit ihren wilden Tänzen rings ums Feuer, begleitet von lärmenden Trommeln, Schellen und den schweren Glocken der Wolfsaustreiber. Epizentrum und Höhepunkt der alljährlichen Aktivitäten ist in Neuschönau, wenn die Lousnachtgeister am 5. Januar mit ihrem infernalischen Spektakel die Wintergeister vertreiben.

Im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald kann man seit diesem Wochenende die wilden Waldgeister erstmals von einer ganz anderen Seite erleben – lautlos und regungslos auf gestochen scharfe großformatige Fotos gebannt. Und viele von ihnen zeigen ihre menschlichen Gesichter mit würdevollem, ruhigen Blick, kecker Grimasse oder einem verschmitzten Lächeln für die Kamera. Denn es sind Menschen, genauer die Mitglieder des Neuschönauer Vereins Koishüttler Lousnacht e. V., die seit 17 Jahren die alte Tradition der tanzenden Lousnachtgeister wieder beleben und Jahr für Jahr in die Identität ihrer kunstvoll aus Lindenholz geschnitzten und bemalten Masken schlüpfen, die jetzt zusammen mit den Fotos bis Mitte des Jahres in St. Oswald zu sehen sind.

„Zum einen war ich schon immer von der wilden Schönheit der Masken und Kostüme begeistert, das wollte ich einfach festhalten“, sagt Daniela Blöchinger anlässlich der Vernissage am vergangenen Freitag. Die ausgebildete Meisterfotografin, selbst seit Jahren aktives Lousnachtwesen, hat die rund 40 Fotos geschaffen, die nun in der Schau gezeigt werden. Gelungen sind ihr beeindruckende Portraits, in denen Menschen unterschiedlichsten Alters und mit unterschiedlichsten Aufgaben im Alltag eine ganz besondere Beziehung zu ihren Masken aufnehmen und so mit Stolz über ihr Alltagsgesicht hinaus wachsen.

„Außerdem hat mich fasziniert, dass ich zunehmend Ähnlichkeiten zwischen den Trägern und ihren Masken festzustellen glaubte. Es war einfach spannend, das in den Fotos herauszuarbeiten“, so Blöchinger weiter. Überraschend und interessant ist dies insofern, zeigt sich doch, dass Männer mitunter Frauengestalten verkörpern, gesetzte Damen mittleren Alters wilde Teufel mit Leben erfüllen und sich auch bekanntere Persönlichkeiten, wie etwa der Feyunger Druckereibesitzer Hans Rosenthaler (alias Wecklin) oder Danielas Vater und Leiter des Agrarzentrums in Kringell, Hans Blöchinger (alias Dodama), alljährlich an dem wilden Spektakel beteiligen.

„Unser Maskenschnitzer Josef Schmalhofer ist sicher nicht ganz unschuldig an dieser Ähnlichkeit, da jede Maske individuell für ihren Träger geschaffen und angepasst wird“, kommentiert Vater Blöchinger, der als Vereinsvorsitzender gemeinsam mit Hans Rosenthaler zu den Initiatoren der Koishüttler Lousnacht zählt und als Vogelscheuche Dodama das Sagen über die Choreographie der rund 50 Masken und zusätzlichen Wolfsaustreiber hat. „Außerdem ist jeder Maskenträger für die Ausgestaltung seines Kostüms mit Fellen, Schellen und all den für die Figur typischen Accessoires selbst verantwortlich“, so Blöchinger weiter. „Da ist es kein Wunder, wenn man mit seiner Maskenidentität auch im Aussehen zusammenwächst.“

Wichtig, so der altgediente Lousnachtgeist Blöchinger, ist den Koishüttlern, dass sie sich mit ihren Gestalten und ihren Aufführungen sehr genau an alte Überlieferungen halten und die Lousnächte nicht nur für inhaltsleeren wilden Klamauk missbrauchen. „Die Masken waren früher das ganze Jahr über in den Dörfern präsent, hatten ihre speziellen Aufgaben und haben so das Gemeinschaftsleben mit geprägt“, erläuterte Karl-Heinz Reimeier, Heimatpfleger von Freung-Grafenau, den Hintergrund des Lousnachtbrauches in seinem Einführungsvortrag auf der Vernissage. „Das war generationsübergreifend und hat den Zusammenhalt im Dorf gefördert.“

Würde, Zusammenhalt, Stolz und auch Begeisterung für die Sache – das strahlen auch die Fotos der Ausstellung aus. Zusammen mit den Masken beleuchtet die Ausstellung „Wer steckt dahinter? Masken und ihre Träger“ ein beeindruckendes Stück wiederbelebter Heimatkultur.

Weitere Informationen zur Koishüttler Lousnacht e.V.: www.lousnacht.de

 

Bildunterschrift
Der Mensch hinter Dodama – Hans Blöchinger, Vereinsvorsitzender der Koishüttler Lousnachtgeister, Zeremonienmeister und im Nebenberuf Leiter des Agrarzentrums in Kringell
(Foto: Daniela Blöchinger)

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