Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

13.11.2012
Nr. 174/12
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Besuchermonitoring – leicht gemacht oder eine Wissenschaft für sich?

Besuchermonitoring erfordert Feldarbeit über einen mindestens 1-jährigen Zeitraum, um verlässliche Daten mit belastbaren Zahlen zu gewinnen

Besuchermonitoring erfordert Feldarbeit über einen mindestens 1-jährigen Zeitraum, um verlässliche Daten mit belastbaren Zahlen zu gewinnen

Dr. Claus Bässler, der neue Initiator der wissenschaftlichen Vortragsreihe des Nationalparks Bayerischer Wald konnte im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald mit Dr. Arne Arnberger von der Universität für Bodenkultur in Wien einen Referenten gewinnen, der es ausgezeichnet verstand, ein vermeintlich „trockenes Thema“ den zahlreichen Besuchern interessant und abwechslungsreich vorzustellen.

Dass Besuchermonitoring im Grunde schon eine Wissenschaft für sich ist, belegt die Vielfalt der von Dr. Arnberger vorgestellten Methoden zur Erfassung der jeweils gewünschten Erkenntnisse sehr eindrucksvoll. Es auch leicht verdaulich zu vermitteln, ist dem Referenten bestens gelungen.

Voreilig ist man geneigt zu sagen: Schon wieder ein Forschungsprojekt für die Schublade, weil es ja doch keiner versteht und letztendlich nur verschlungene Steuergelder als Ergebnis bleiben. Aber gerade der sinnvolle Einsatz von öffentlichen Mitteln wertet ein Monitoring auf, wenn es fundierte Daten darüber liefert, ob ein geplantes Projekt in der angedachten Form sinnvoll erscheint oder nicht. Dies gilt nicht nur für den Bau von Straßen, Spielgeräten, Sportstätten oder – speziell auf den Nationalpark übertragen - für den Neubau oder auch Abbruch sowie Optimierung von Besuchereinrichtungen.

Belastbare Zahlen sind gerade zu Zeiten klammer Haushaltskassen unabdingbar für die Verwirklichung von Ideen. Neben gut vorbereiteter Überzeugungsarbeit sind sie nicht selten ausschlaggebend für die politische Zustimmung und damit für die Mittelbereitstellung. Dr. Arnberger verdeutlichte mit Wirklichkeitsbeispielen, dass Schätzgrößen in Bezug auf Besucherfrequentierungen häufig weit neben den tatsächlichen Ermittlungen lagen, obwohl man sich „ganz sicher“ wähnte. So liegt das Besucheraufkommen im Schweizer Nationalpark in Wirklichkeit deutlich niedriger als angenommen, in der Lobau, ein Teil des Nationalparks Donau Auen im Stadtbereich von Wien, viel höher als ursprünglich geschätzt.

In beiden Fällen kann solch eine Fehlerquote zu negativen Auswirkungen führen, z. B. der Bau von Erholungseinrichtungen überdimensioniert wird oder gar an unpräzisem Zahlenmaterial scheitert.

Dr. Arnberger zeigte in seiner Powerpoint-Präsentation eine Vielfalt von Möglichkeiten für ein effektives Besuchermonitoring auf, um annähernde „Echtzahlen“ zu gewinnen. Dabei muss es sich bei den verwendeten Geräten gar nicht immer um HighTec-Ausrüstung handeln. Es reichen, so Dr. Arnberger, oftmals simple Zählgeräte, Lichtschranken, Radarmessungen oder Wärme- bzw. Druck- und Erschütterungssensoren. Vor der Anwendung von Zählungen per Videoaufzeichnungen warnte Dr. Arnberger jedoch eindringlich, wenn die Sicherstellung der Anonymität nicht gewährleistet ist.

Im Vortrag von Dr. Arnberger wurde aber auch augenscheinlich, dass jede Messmethode ihre Schwächen hat. Deshalb ist es sinnvoll, zwei oder auch drei verschiedene Systeme zu kombinieren. Die Zeitdauer eines Monitorings ist allerdings von zentraler Bedeutung. Sie sollte nach Dr. Arnberger ein Jahr nicht unterschreiten. „Nur dann  lässt sich auf eine solide Datenbasis zurückgreifen, die durch spätere Stichproben ergänzt langfristige Aussagen zulässt.“

Die aus dem aufmerksamen Publikum im Anschluss gestellten Fragen hatten stets den Nationalpark Bayerischer Wald als Anwendungsbeispiel zum Thema und konnten von Dr. Arnberger sehr gut beantwortet werden.

Dr. Bässler dankte dem Referenten für seinen aufschlussreichen und kurzweiligen Vortrag und fügte praxisbezogen an, dass auch im Nationalpark Bayerischer Wald gerade in Zeiten von Mittelknappheit eine optimale Vorbereitung der Verwirklichung einer kostspieligen Baumaßnahme vorausgehen muss. Besuchermonitoring kann dabei zum Entscheidungsträger über das „wie, wann, wo und warum“ werden.

Die nächste Veranstaltung aus der wissenschaftlichen Vortragsreihe des Nationalparks Bayerischer Wald findet am Donnerstag, dem 22. November um 19:00 Uhr im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald statt.

Dr. Christian Hof referiert bei freiem Eintritt zum hochaktuellen Thema: Ist das Klima das Problem? - Auswirkungen des globalen Wandels auf Tierverbreitung und Artenvielfalt.

Rainer Pöhlmann

 

Bildunterschrift:

Besuchermonitoring erfordert Feldarbeit über einen mindestens 1-jährigen Zeitraum, um verlässliche Daten mit belastbaren Zahlen zu gewinnen.

Foto: Dr. Arnberger

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