Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

15.02.2012
Nr. 021/12
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Holznutzung im Bayerischen Wald – Am Rande der Nachhaltigkeit?

Professor Axel Göttlein von der TU München referierte im letzten Vortrag der wissenschaftlichen Vortragsreihe des Nationalparks Bayerischer Wald über Holznutzung, Nährstoffaustrag und nachhaltiges Wirtschaften im Wald.

Fichte, Tanne, Buche sind die Hauptbaumarten des Bayerischen Waldes. Gerade auf den sauren, nährstoffarmen Böden ist eine sorgfältige Bewirtschaftung wichtig, um die Vitalität der Wälder beizubehalten.

Fichte, Tanne, Buche sind die Hauptbaumarten des Bayerischen Waldes. Gerade auf den sauren, nährstoffarmen Böden ist eine sorgfältige Bewirtschaftung wichtig, um die Vitalität der Wälder beizubehalten.

Zum letzten Mal in dieser Saison hieß Organisator Dr. Jörg Müller aus dem Sachgebiet Forschung der Nationalparkverwaltung die zahlreichen Gäste und den Referenten Dr. Axel Göttlein im Haus zur Wildnis willkommen. “Holznutzung im Bayerischen Wald - Am Rande der Nachhaltigkeit?“ war der Vortrag überschrieben, dem gut 70 Zuhörer lauschten.

Den viel gehörten, aber wenig plakativen Begriff „Nachhaltigkeit“ erklärte Göttlein unter wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten. Das gute Wirtschaften steht dabei oftmals im Vordergrund, doch ebenso wichtig sind die biologische Vielfalt und ein gesunder Wald als Produktionsgrundlage, geschweige denn vom Erholungswert, den ein Wald uns Menschen bietet.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass eine intensive Waldnutzung keine Neuerfindung ist: „Schneiteln“ der Bäume (entfernen von Ästen), Entnahme von Reisig zum Einheizen und Laubsammeln, um es im Stall einzustreuen, hatten eine Jahrhunderte lange Tradition. Heutzutage ermöglichen und erleichtern Maschinen die Vollbaumentnahme. Der Markt für Hackschnitzel und Pellets boomt und so wird der Baum komplett genutzt. Dieses Ausräumen der Wälder erzeugt ein „übles Gefühl“, wie Göttlein es ausdrückte. „Um aus dem Gefühl Wissen zu machen, müssen wir da wissenschaftlich ran“, meinte Göttlein und ging auf den immensen Nährstoffentzug durch Kronennutzung ein. Der finanzielle Gewinn steht in keinem Verhältnis zum Verlust an Nährstoffen im System. Nährstoffe sind für das Wachstum und die Gesundheit der Pflanzen von großer Bedeutung. Im Bayerischen Wald stehen die Wälder auf sauren Böden, die Nährstoffe sind deshalb für die Pflanzen schlecht verfügbar. Göttlein stellte die Frage: „Wieviel Nutzung ist dem Boden zumutbar?“ Gute, nährstoffreiche Böden vertragen mehr Nutzung, auf schlechten Böden macht sich hingegen eine starke Nutzung schnell negativ bemerkbar. Dabei spielt auch die Baumart wegen der unterschiedlichen Nährstoffverteilung im Baum selbst eine Rolle. Je ärmer der Boden, desto wichtiger ist die Humusauflage, die als Nährboden und Wasserspeicher dient. Umso bedeutsamer ist es gerade auf armen Böden Biomasse (Kronen, Astmaterial) zu belassen. Eine hohe Biomasse-Entnahme kann je nach Standort und Baumartenzusammensetzung den Zuwachs bereits in der Folgegeneration um 25% mindern. „Energieholzbündel machen reiche Väter und arme Enkel“, meinte Göttlein hierzu. Letztendlich müsse jeder Waldbesitzer aber selber wissen, was er mit seinem Wald machen wolle.

Informationen und Erkenntnisse zur ökologischen und langfristig ökonomischen Waldbewirtschaftung gibt es aus diversen Untersuchungen. Im Detail den Nährstoff und Wasserhaushalt zu betrachten, ist mühsam und manchmal schwer zu verstehen. „…aber dafür bin ich ja da, es zu erklären“, sagte Göttlein und diskutierte noch rege mit den Zuhörern über weitere Fragen zum Thema.

Die wissenschaftliche Vortragsreihe ging mit diesem sechsten Vortrag für dieses Winterhalbjahr zu Ende. In den Veranstaltungsorten Waldgeschichtliches Museum und Haus zur Wildnis hatte sie zahlreiche Förster, Jäger, Wissenschaftler, Naturschützer, Waldführer, Einheimische und Gäste – kurz alle Interessierten - zu aktuellen und spannenden Themen informiert.

Rainer Pöhlmann

Bildunterschrift: Fichte, Tanne, Buche sind die Hauptbaumarten des Bayerischen Waldes. Gerade auf den sauren, nährstoffarmen Böden ist eine sorgfältige Bewirtschaftung wichtig, um die Vitalität der Wälder beizubehalten. (Foto: R. Pöhlmann)

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