Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

30.03.2011
Nr. 047/11
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Rettungsversuch für die Großtrappe, dem „Jumbo“ der Vögel

Balzende Großtrappen-Hähne sind ein echtes Naturschauspiel. Um den Kontrahenten auf Abstand zu halten und den Hennen zu imponieren, stülpen sie förmlich ihre Flügel und Schwanzfedern „über Kopf“ und gleichen in dieser Haltung einem großen weißen Ball

Balzende Großtrappen-Hähne sind ein echtes Naturschauspiel. Um den Kontrahenten auf Abstand zu halten und den Hennen zu imponieren, stülpen sie förmlich ihre Flügel und Schwanzfedern „über Kopf“ und gleichen in dieser Haltung einem großen weißen Ball

Großtrappen sind die größten flugfähigen Vögel der Welt und zählen zur Familie der Kraniche, obwohl sie eher Hühnervögeln ähneln. Ihr bevorzugter Lebensraum ist das Flachland, insbesondere der Steppengürtel Europas bis hin zur Mongolei.

Gelegentlich werden die Großtrappen auch als Auerhuhn der Ebene bezeichnet. Und es gibt tatsächlich erstaunliche Parallelen zu unserem Wappenvogel im Bayerischen Wald.

Mit bis zu 18 (22) Kilogramm sind die männlichen Tiere ebenfalls wesentlich größer und 2- 3 mal schwerer als die Weibchen.

Auch das imposante Balzgehabe der Hähne und das davon scheinbar unbeeindruckte Desinteresse der Hennen weckt Vergleiche unter den miteinander nicht verwanden Vogelarten. Die enorme Störungsempfindlichkeit, insbesondere in der Aufzuchtphase, teilen sie ebenfalls, so dass auch ihr bedrohlicher Bestandsrückgang in gleichen Ursachen zu suchen ist. 

Dem erfolgreich entgegenzuwirken widmet sich der Leiter der Vogelstation Buckow Dr. Torsten Langgemach. Im Rahmen der wissenschaftlichen Vortragsreihe der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald berichtete er über seine Arbeit mit den scheuen Vögeln im Haus zur Wildnis einem interessierten Publikum. 

15.000 Hektar groß, also unwesentlich größer als das Rachel-Lusen-Gebiet, ist das Schutzgebiet Havelländische Luch im Bundesland Brandenburg, in dem noch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bis zu 3.500 Großtrappen lebten.

Lebensraumverlust in Form von geänderter landwirtschaftlicher Nutzung und zunehmende Störungen aller Art haben den Bestand bis 1970 auf ca. 800 Tiere schrumpfen lassen. Eine Weiterführung dieses Negativtrends hätte die Ausrottung der Großtrappe spätestens bis zur „Wende“, also um 1990, bedeutet.

Als erste Maßnahme zur Rettung der Großtrappe wurde eine Lebensraumgestaltung in Form von Bodenaushagerung (Düngungsverbot) mit dem Ziel eines dadurch zunehmenden Artenreichtums in Angriff genommen. Es folgten sogenannte Streifenmahden, die ein Mosaik von Rückzugs- und Deckungsflächen ergeben und die Fällung von Hybridpappeln entlang der Windschutzstreifen, um den schweren Vögeln bessere Flugbedingungen zu bieten.

Als weitere Maßnahme wurde eine Störungsminimierung in Form von Überflugverbot für Heißluftballons und auch durch beschilderte Wegesperren umgesetzt.

Letztendlich wurden große Flächen umzäunt um Prädatoren, insbesondere Fuchs, Marderhund und Waschbär, fernzuhalten und durch Auswilderung von in Volieren erbrüteten Jungvögeln die Restbestände der Großtrappen zu stützen. 

Der Erfolg kann sich sehen lassen.

Obwohl heute wesentlich mehr Seeadler im Gebiet leben und auch junge Trappen erbeuten, stieg der Bestand von zuletzt 60 auf heute 120 Vögeln dauerhaft an.

Als besonders erfreulich darf dabei der Anstieg der Befruchtungsrate der Eier von 74% in den 80er Jahren auf momentan 88% und die Abnahme der Frühsterblichkeit der Kücken betrachtet werden.

Beides zusammen beruht auf der Senkung von Störungen und intensiveren Beobachtungen der Großtrappen und lässt hoffen, dass der Auerhahn der Ebene in Deutschland überleben wird und nicht erst ab Ostösterreich in der Kleinen Ungarischen Tiefebene als Steppenbewohner zu beobachten ist.

 

Bildunterschrift:
Balzende Großtrappen-Hähne sind ein echtes Naturschauspiel. Um den Kontrahenten auf Abstand zu halten und den Hennen zu imponieren, stülpen sie förmlich ihre Flügel und Schwanzfedern „über Kopf“ und gleichen in dieser Haltung einem großen weißen Ball
(Foto: Dietmar Nill) 

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