Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

21.02.2011
Nr. 029/11
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Wald in der Mongolei – gibt es das?

Wissenschaftlicher Vortrag im Haus zur Wildnis überraschte ein interessiertes Publikum

Das Wildnisgebiet Khonin Nuga im Norden der Mongolei: Wald, Trockensteppe, wilde Flußschleifen und Auwaldinseln.
(Foto: Dr. M. Mühlenberg)

Das Wildnisgebiet Khonin Nuga im Norden der Mongolei: Wald, Trockensteppe, wilde Flußschleifen und Auwaldinseln. (Foto: Dr. M. Mühlenberg)

Mit dem zentralasiatischen Land Mongolei assoziieren wir in aller Regel endlose Steppen. Dass es dort auch ausgedehnte Wälder mit wilder Schönheit gibt, vermittelte Dr. Michael Mühlenberg von der Universität Göttingen in der ersten Veranstaltung der Wissenschaftlichen Vortragsreihe der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald im Haus zur Wildnis.

Dr. Mühlenberg erforscht seit 15 Jahren die Natur im Wildnisgebiet Khonin Nuga im Norden der Mongolei, einem Gebiet, das von den südlichen Ausläufern der Taiga geprägt ist. Obwohl die Mongolei vom Bayerischen Wald weit entfernt ist, zeigen die Wälder dort in vielen Punkten Ähnlichkeit mit unserem heimischen Wald, betonte Dr. Jörg Müller von der Nationalparkverwaltung als Organisator der wissenschaftlichen Vortragsreihe und sah deshalb die gelungene Veranstaltung als einen Auftaktbeitrag zum Internationalen Jahr der Wälder.

Um seinem Publikum eine Vorstellung des von ihm untersuchten Wildnisgebiets zu geben, stellte Dr. Mühlenberg das strenge Schutzgebiet zunächst mit beeindruckenden Zahlen vor. 15.000 Quadratkilometer ist das Wildnisgebiet groß, völlig unbewohnt und ohne jegliche Fahrstraßen. Selbst in der umgebenden Pufferzone mit 5.000 Quadratkilometern leben keine Menschen auf Dauer, und der Weg dorthin ist abenteuerlich. Zum Vergleich: der Nationalpark Bayerischer Wald ist mit einer Größe von 243 Quadratkilometern gut 60-mal kleiner als sein Pendant in Zentralasien. Der Waldanteil ist dort mit 81 % verhältnismäßig hoch und unterscheidet sich je nach Himmelsrichtung sehr deutlich. Durch seine extrem kontinentale Lage mit geringen Niederschlägen wächst an den Südhängen dieses Mittelgebirges überhaupt kein Wald, sondern eine Trockensteppe. Uns Mitteleuropäer erinnert diese Erscheinung eher an eine Kulturlandschaft mit aufgelassenen steilen Weinbergen als an eine echte Wildnis. Die ungebändigten wilden Flußschleifen mit Auwaldinseln und die gegenüberliegenden mit Birke und Lärche bewaldeten Nordhänge verraten aber die absolute Unberührtheit.

Die Forschungsarbeit von Dr. Mühlenberg setzt ihre Schwerpunkte auf den Naturschutzwert, das Verstehenlernen natürlicher Prozesse und das Erforschen möglicher Gefahren für das Ökosystem. Der Naturschutzwert lässt sich nach Auffassung von Dr. Mühlenberg nicht nur am Tier- und Pflanzenreichtum messen, sondern vielmehr an der Anzahl stabiler Populationen. Diese besagen laut Dr. Mühlenberg mehr über die Qualität des Lebensraumes, weil sie nur dann existieren können, wenn das gesamte Umfeld, angefangen vom Totholzanteil bishin zum Bestandsalter und der Baumartenzusammensetzung stimmig ist. Als Schlüsselbaumart bezeichnete Dr. Mühlenberg dabei die Birke, insbesondere deren Totholzanteil für Höhlenbrüter wie den Weißrücken- und Dreizehenspecht. Beeindruckende Forschungsergebnisse von Dr. Mühlenberg verraten die Abhängigkeit des Dreizehenspechtes von mindestens 5 % Totholz zur Entfaltung einer stabilen Bestandsdichte. Nur noch halb so hoch ist diese bei einem Totholzanteil von 3,5 % und gar nur ein Zehntel bei 2 % Totholzanteil!

Um natürliche Prozesse in einer Naturlandschaft zu verstehen, müssen die Zusammenhänge der Walddynamik mit der Populationsdynamik von zum Beispiel Kleinsäugern einbezogen werden. So gehören Waldbrände zu natürlichen Ereignissen. Solche Störungen fördern auch die Dynamik der Vogelarten. Durch Feuer entstehen unterschiedlichste Kleinstrukturen im Wald mit vielfältigsten Biotopen, die sich positiv auf die Artenzahl und Stabilität der Bestände auswirken.

Als Gefahren für ein Ökosystem nannte Dr. Mühlenberg Übernutzungen in Form von illegaler Holzfällung und Jagd und ganz besonders den Klimawandel, der eine permanente Zunahme von Feuer bewirkt. Um gut 2 °C ist die Jahresdurchschnittstemperatur in den vergangenen 40 Jahren in der Mongolei angestiegen. Negative Auswirkungen werden, da ist Dr. Mühlenberg sicher, am Besten von intakten Naturwäldern kompensiert. Wenn gleich auch dort Massenvermehrungen von Insekten mit den steigenden Temperaturen einhergehen, sorgen in diesen strukturreichen Naturwäldern viele Fressfeinde dafür, dass ein ausgewogenes Naturgefüge erhalten bleibt.

Bildunterschrift:
Das Wildnisgebiet Khonin Nuga im Norden der Mongolei: Wald, Trockensteppe, wilde Flußschleifen und Auwaldinseln.
(Foto: Dr. M. Mühlenberg)

Weitere Informationen zur Wissenschaftlichen Vortragsreihe: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/wiss_vortraege.htm

 

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