Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

22.04.2010
Nr. 047/10
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Unscheinbarer Pilz soll Lungenentzündungen heilen

Seltene Schwarzborstlinge im Nationalpark gefunden

Im Nationalpark Bayerischer Wald konnten jetzt mehrere Funde des inzwischen selten gewordenen Schlauchpilzes nachgewiesen werden.

Im Nationalpark Bayerischer Wald konnten jetzt mehrere Funde des inzwischen selten gewordenen Schlauchpilzes nachgewiesen werden.

Die Pilzforscher des Nationalparks haben gezielt danach gesucht und sind fündig geworden.

Unmittelbar nach der Schneeschmelze wächst in den Fichtenwäldern des Nationalparks Bayerischer Wald der Glänzende Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella). So unscheinbar sich der nur wenige Zentimeter große, schüsselförmige und schwarzbraun gefärbte Pilz präsentiert, so wichtig scheint seine Bedeutung für die Schulmedizin. Denn dänische Wissenschaftler haben vor geraumer Zeit in den Fruchtkörpern das Antibiotikum Plectasin entdeckt. Jener Wirkstoff gehört in die Gruppe der Defensine, die man zuvor nur aus Tieren kannte. Der Stoff soll künftig bei der Bekämpfung von Bakterien eingesetzt werden, die gegen herkömmliche Antibiotika wie z.B. Penicillin resistent geworden sind. Insbesondere bei der Behandlung von lebensgefährlichen Lungenentzündungen versprechen sich die Forscher große Heilerfolge.
 

Neben dem Glänzenden Schwarzborstling haben jetzt Waldführer und Pilzkundler der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft im Nationalpark mit dem Gestielten Tannen-Schwarzborstling (Pseudoplectania vogesiaca) nach mehr als 17 Jahren eine vom Aussterben bedrohte, verwandte Pilzart wieder aufgespürt. Bis auf die gestielten und größeren Fruchtkörper gleicht der Pilz seinem Verwandten aus dem Fichtenwald. Seine Inhaltsstoffe sind jedoch noch unerforscht. Der seltene Pilz ist auf liegende, morsche Stämme und -äste von Weißtannen spezialisiert. Aber mit dem Verschwinden der Tannenwälder in Deutschland geht auch das Vorkommen des Gestielten Tannen-Schwarzborstlings rapide zurück. Stirbt der Pilz aus, wird dabei ein komplexes „biologisches Chemielabor“ unwiderbringlich vernichtet. Dann besteht keine Chance mehr, die auch in den Fruchtkörpern dieses Pilzes vermuteten  potenziellen Wirkstoffe zum Wohle des Menschen zu isolieren. Die Freude der Pilzforscher wiegt deshalb groß, weil der Pilz im Nationalpark Bayerischer Wald ein Refugium gefunden hat.

 

Das Veranstaltungsprogramm zum 40-jährigen Jubiläum des Nationalparks Bayerischer Wald kann auf der Website der Nationalparkverwaltung unter http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de unter Aktuelles“ heruntergeladen werden. 

 

Foto: Dr. Christoph Hahn

Der Gestielte Tannen-Schwarzborstling ist auf das Totholz von Weißtanne angewiesen. Im Nationalpark Bayerischer Wald konnten jetzt mehrere Funde des inzwischen selten gewordenen Schlauchpilzes nachgewiesen werden.

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