Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

12.09.2008
Nr. 141/08
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Eine Herbstwanderung durch den Bergmischwald

Jetzt im Herbst, wenn das Laub der Bäume sich zu verfärben beginnt und die Sonne mit milder Wärme vom oft wolkenlosen Himmel scheint, beginnt die schönste Zeit zum Wandern.

Morgendlicher Raureif, der im Sonnenlicht zu Abermillionen Wassertröpfchen schmilzt und Wiesen in glitzernde Teppiche verwandelt, sowie gute Fernsicht über weite Teile des Bayerischen Waldes und dessen Vorfeld charakterisieren solche idealen Wandertage.

Mein Wandervorschlag, dessen Route überwiegend durch die nach Süden bis Westen geneigten Bergmischwälder um Waldhäuser führt, zeigt diese eindrucksvollen Stimmungsbilder.

Als Ausgangspunkt für die ca. drei Stunden dauernde Wanderung wählen wir den Waldrastplatz Fredenbrücke. Eine Igelbushaltestelle direkt am großzügig angelegten Parkplatz gibt auch den nicht motorisierten Wanderern die Möglichkeit, ohne größeren Anmarsch von hier aus zu beginnen. Ein öffentlicher Grillplatz lädt dort auch zu selbst zubereiteten Speisen ein.

Der erste Abschnitt unserer Wandertour führt am Bergbach Kleine Ohe entlang zur Martinsklause (Markierung Zaunkönig und Ranne). Mehrere Informationstafeln berichten vom Kreislauf des Wassers, dem Leben von Tieren und Pflanzen im und am Wasser, den Veränderungen der Wasserläufe durch den Menschen und allen damit verbundenen Auswirkungen.

Typische Pflanzen, vor allem Hochstaudengewächse wie Österreichischer Gemswurz, Alpenmilchlattich und Waldgeißbart, wachsen an den Ufern des rauschenden Baches. Häufiges Auftreten von Bergahorn und Weiden neben Fichten, Tannen und Buchen zeigen an, dass hier in den oft steilen Hängen beidseitig des Baches eine Art Schluchtwald wächst.

Die Martinsklause, ein kleiner im Jahre 1833 künstlich angelegter Stausee, diente früher der Holztrift; heute ist sie ein Kulturdenkmal. Als Zeuge früherer Veränderungen von natürlichen Wasserläufen durch den Menschen soll sie auch für die Zukunft erhalten bleiben.

Der weitere, zum Teil steile Weg führt uns von der Schutzhütte oberhalb der Martinsklause über das sog. Teufelsloch zum Böhmweg, wo eine weitere Schutzhütte vor plötzlichen Wetterunbilden Unterschlupf bietet. Als Wegmarkierung dient jetzt das Symbol „Ranne“, ab dem Teufelsloch zusätzlich noch das „Grüne Dreieck“.

Besonders das Teufelsloch mit seinen ungezählten Granitblöcken fällt dem Wanderer ins Auge und bildet eine echte Sehenswürdigkeit. Tief unter den Felsen fließt die Kleine Ohe durch diese Schlucht. Nur ein dumpfes Rauschen ist zu hören, von dem die Sage erzählt, dass hier die vom Teufel und seiner Großmutter gepeinigten Menschenseelen jammern.

Stetig bergan führt der Weg durch zum Teil schon sehr üppige Waldverjüngung nach Sturm und Borkenkäferbefall zu einer Aussichtsplattform, wo der Blick über ungezählte Baumskelette hinweg zum Großen Rachel (1453 m), dem höchsten Berg im Nationalpark, reicht.

Zu Füßen erlebt der Wanderer hier einen einzigartigen Walderneuerungsprozess, während aus der Ferne betrachtet der Eindruck eines toten Waldes überwiegt. Montierte Vergleichsfotos demonstrieren eindrucksvoll, wie schnell sich der Wald nach einem Naturereignis großen Ausmaßes erneuert. Vor allem Vielfalt entsteht. Im vollen Lichtgenuss wachsen die einstigen Sämlinge viel schneller als erwartet und schließen mehr und mehr die Lücken am Waldboden, wo jetzt reichlich Kräuter und Beeren einen optimalen Lebensraum für Hirsch, Reh und auch Auerhuhn bilden.

Den Markierungen „Luchs“ und „Grünes Dreieck“ folgend, ist nachdem wir kurz den Goldenen Steig, einen ehemaligen Salzsäumerweg, berührten, bald der Lusenparkplatz, Ausgangspunkt für einen Rundweg zum Lusen erreicht.

Zwei Gedenksteine am Weg erinnern an eine Wallfahrt zum Heiligen Berg bei Prag bzw. an einen tödlich verunglückten Forstmeister.  Besonders die Erinnerung an die Wallfahrt im Jahr 1872 stellt eine Verbindung zu der Borkenkäfersituation von heute her. Auch damals gab es nach dem großen Sturm von 1869 an gleicher Stelle eine gewaltige Massenvermehrung dieses nur 5 mm großen Käfers, der in etwa die selbe Waldfläche an Bergfichten zum fiel. Ob die um Hilfe ersuchende Wallfahrt Erfolg hatte oder – wie die Chronik besagt – zwei kühle und regenreiche Sommer den Borkenkäfer-Spuk beendeten, bleibt unbeantwortet.

Auf dem Weg zum Waldhäuser Riegel, wo neben einer oft guten Aussicht, die in den Vorderen Bayerischen Wald, an sonnigen Spätherbst- und Wintertagen sogar bis zur Alpenkette reicht, eine Ruhebank zur wohlverdienten Rast einlädt, wird auf Holzbohlensteigen ein Niedermoor überquert. Gehemmter Wasserabfluss ist ausschlaggebend für diese Moorbildung. Stagnierende Kaltluft drängt die wärmeliebende Buche zurück. Die weniger empfindliche Fichte und die Vogelbeere bauen hier einen natürlichen Wald auf.

Nach einer kurzen Verschnaufpause am Waldhäuser Riegel führt der Weg zügig zu dem 1000 m hoch gelegenen Dorf Waldhäuser. Wer eine größere Rast einlegen oder essen möchte, kann dies hier in den verschiedenen Gaststätten tun.

Auf dem jetzt mit „Habicht“ und „Tanne“ markierten Weg zweigen wir bei der Jugendherberge links ab und erreichen die Steinfelsenhäng, nachdem die Wiesen von Waldhäuser überquert worden sind.

Während der Weg zum Besucherzentrum Hans-Eisenmann-Haus und dem Tier-Freigelände geradeaus führt, zweigen wir in Richtung Fredenbrücke rechts ab. Der mit „Habicht“ und „Baumgruppe“ (später nur mehr mit „Baumgruppe“) markierte Streckenabschnitt führt auf dem Mittleren Horizontalsteig fast eben unterhalb Waldhäuser vorbei bis zu unserem Ausgangspunkt, dem Waldrastplatz Fredenbrücke.  Einmalig schöne Bergmischwälder, bestehend aus zum großen Teil sehr mächtigen und hohen Fichten, Tannen und Buchen, aber auch durch Borkenkäferbekämpfung in der Waldschutzzone um Waldhäuser entstandene Blößen und noch einige mit Sitzbänken versehene Ausblicke runden diese Wanderung zu einem schönen Naturerlebnis ab.

Rainer Pöhlmann

 


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