Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Pressemitteilung

18.12.2008
Nr. 174/08
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Grenzen, Pflanzungen, Planungen ... Ehrungen: Herbstpersonalversammlung der Nationalparkverwaltung mit vielen angenehmen wie brisanten Themen

Nach einem ereignisreichen und arbeitsintensiven Sommerhalbjahr warteten die annähernd 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung mit großer Spannung auf die angekündigten Referate bei der traditionellen Herbstpersonalversammlung im Hans-Eisenmann-Haus unter der Leitung des Personalratsvorsitzenden Bruno Schwarz.

Mit einer Schweigeminute für die verstorbenen ehemaligen Mitarbeiter Georg Eder, Ludwig Hilgart, Anton Lettenmaier, Karl Herzog, Anton Seidl und Josef Biebl und Würdigung der in Rente ausgeschiedenen Mitarbeiter Werner Kargus, Fritz Stockinger und Manfred Huttary eröffnete Personalratsvorsitzender Bruno Schwarz die Versammlung und berichtete ausführlich über die Personalratstätigkeiten des Sommerhalbjahrs, die neben den „Monatsgesprächen“ u. a. die Kilometerentschädigung, die Einrichtung von Schlechtwetter-Arbeitsplätzen, die Einstellung von Auszubildenden oder die immer schlechter werdende Rentensituation umfasste. Dabei rechnete Schwarz dem Personal beispielhaft vor, dass bei gleichen Voraussetzungen ein Rentner heute 170 Euro monatlich weniger in der Tasche hat als im Jahr 1995.

Warum im Sommerhalbjahr kaum Zeit zum Verschnaufen blieb, offenbarte der Vortrag von Nationalparkleiter Karl Friedrich Sinner. Gleich einem Feuerwerk reihte sich Ereignis an Ereignis im gut einstündigen Referat des Leitenden Forstdirektors.
Allein die Zu- und Abgänge im Personalbereich verdeutlichen eine lebendige Verwaltung. Als Neuheit stellte Sinner heraus, dass die Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden sowie die Naturschutzakademie Laufen auf dem Personalsektor künftig aus einem gemeinsamen Stellenpool bewirtschaftet werden. „Ob die dadurch flexiblere Stellenvergabe für den Nationalpark Bayerischer Wald von Nutzen sein wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht beurteilen“, sagte der Nationalparkleiter.
Erfreut konnte er die Übernahme der zwei frisch ausgebildeten Forstwirte Tobias Waschinger und Franz Wenzl und den Wechsel in den beiden Bildungseinrichtungen Wildniscamp am Falkenstein und Jugendwaldheim Wessely-Haus verkünden. Die bisherige Leiterin des Wildniscamps am Falkenstein, Rita Gaidies, übernahm in gleicher Eigenschaft das Jugendwaldheim und machte für Achim Klein den Weg für das Wildniscamp am Falkenstein frei. Die Neubesetzung wurde notwendig, weil der bisherige Leiter des Jugendwaldheims, Oberstudienrat Hans-Peter Dorn nach 17 sehr erfolgreichen Jahren, in denen er vom Kultusministerium an die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald abgeordnet war, in den Altersruhestand ging. Neben lobenden Worten der Anerkennung seiner herausragenden Leistungen auf dem Sektor Umweltbildung durch den Nationalpark-Chef verabschiedete die Belegschaft den frisch gebackenen Ruheständler Dorn mit anhaltendem Applaus. „Hans-Peter Dorn, der im doppelten Sinne eine prägende Figur darstellt, das kein Schulkind vergessen wird, war für seine Offenheit bekannt und beliebt, weil nie verletzend“, kommentierte der Nationalparkleiter in seinen Dankesworten. „Das zukunftsträchtige Projekt „Natur und Technik ist sein Werk und wird in seinem Sinne fortgeführt“.
In seinem umfassenden Bericht über die Arbeit der einzelnen Sachgebiete bezeichnete der Nationalparkleiter den Bereich „Gestaltung und Information“ wörtlich als Hochleistungsbetrieb, dessen Arbeitspensum nicht zu toppen sei. Neu, optisch sehr ansprechend und nutzerfreundlich sei der Internetauftritt, und was die Anzahl von neuen bzw. aktualisierten Prospekten und Veröffentlichungen anbelangt, sei sehr viel geleistet worden, lobte Sinner.

Gleiches gelte auch für die Arbeit im Sachgebiet Naturschutz. Mit der Erstellung der zweisprachigen Broschüre „Europas wildes Herz“ in enger Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Sumava wird ein europäisches Wildnisgebiet vorgestellt und beschrieben. Näher beleuchtete Sinner die Situation um die geplanten neuen Grenzübertrittsstellen durch die Kerngebiete der beiden Nationalparke und machte deutlich, dass in diesen Natura 2000-Gebieten nach europäischem Recht schlicht und einfach ein Verschlechterungsverbot besteht und deshalb die Neuanlage von Wanderwegen an den geplanten Grenzübertrittsstellen Kompensationsmaßnahmen verlangen, im aktuellen Falle die teilweise Auflassung des Grenzsteiges. „Selbstverständlich“, so Sinner, „kann jede Gemeinde bei der zuständigen Regierung von Niederbayern einen eigenen Antrag auf gewünschte Grenzübergänge einbringen, wenn sie die Zustimmung der tschechischen Seite beilegt, die Umweltverträglichkeit nachweist und Ausgleichsmaßnahmen vorschlägt“. Ein in diesem Umfang geschnürtes Paket ist bislang allerdings nicht bekannt. Dazu Sinner: „Die Lippen sind gespitzt, ich warte darauf, dass jemand pfeifft“.
Im Bereich des Kolbersbaches wurden nach insgesamt zehn Jahren die Renaturierungsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen, die Vorbereitungen dazu am Reschbach und Sagwasser getroffen und die hölzernen Wassersperren entlang des ehemaligen Triftkanals im Hochmoorkomplex Großer Filz erneuert.
Im Bereich der Besuchereinrichtungen wurde der Aufichtenwaldsteg bei Spiegelau komplett erneuert und dadurch den Besuchern das einmalige Erlebnis einer phantastischen Waldentwicklung nach Borkenkäferbefall und Windwürfen wieder ermöglicht. An den großen Aufarbeitungsflächen von Borkenkäferholz im Randbereich des Nationalparks zum Schutze der angrenzenden Wälder vor Borkenkäferüberflug wurden aufwändig gefertigte Informationstafeln aufgestellt, die den Nationalparkbesuchern den Sinn der optisch nicht immer ästhetisch wirkenden Flächen anschaulich erklären. „Dies war dringend notwendig geworden, weil immer mehr Beschwerden erboster Besucher bei der Nationalparkverwaltung einliefen, die glaubten, in einem Nationalpark zu sein, aber überall mit Holzfällung, Rückefahrzeugen und Holzabfuhr konfrontiert wurden“, erklärte Sinner.
Außerdem wurde die zugesagte Verbesserung der Attraktivität der Besuchereinrichtungen im Altparkgebiet forciert in Angriff genommen. Im Tier-Freigelände I wurde die Wolfskanzel komplett erneuert und besonders für Gäste im Rollstuhl und Kinder optimiert, der Umbau des Ottergeheges begonnen und die Vorbereitungen für ein im kommenden Jahr zu bauendes Elchgehege getroffen. Im Wisent-Gehege wurde durch bauliche Veränderungen die Sichtbarkeit der Tiere verbessert.

Aus dem Sachgebiet Bildung und Regionalentwicklung berichtete der Nationalpark-Chef von der Vertragsstaaten-Konferenz in Bonn, bei der 50 Jugendliche aus aller Welt, die zuvor im Wildniscamp am Falkenstein die Vorbereitungen dazu trafen, einen sehr gelungenen und nachhaltig wirkenden Auftritt hinterließen. Auch der Ausbau des Nationalpark-Partner-Projektes und die Fördergenehmigung für das Projekt „Tierisch wild“ waren Themen. Sinner ging auf die gelungene Veranstaltung der Junior Ranger anlässlich ihrer Zehn-Jahres-Feier im Wildniscamp am Falkenstein ein, an der sogar Staatssekretär Marcel Huber teilnahm, und hielt fest, dass die Nationalparkverwaltung mit 1.160 unterschiedlichen Veranstaltungen alleine im Sommerhalbjahr ein gigantisches Angebot für die Nationalparkgäste bereitstellte.

Aus dem Bereich der Besucherzentren und Informationshäuser konnte Sinner seine Mitarbeiter über die Fertigstellung der Ausstellungen im Haus zur Wildnis, den Stand der Bauarbeiten im Waldgeschichtlichen Museum und den Beginn einer kompletten Umgestaltung der Ausstellungen im Hans-Eisenmann-Haus, die im Jubiläumsjahr „40 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald“ im Herbst 2010 abgeschlossen sein wird, informieren.
Natürlich nahm auch die „Chef-Sache“: Baumwipfelpfad, der samt seines über 40 m hohen Aussichtsturmes im Sommerhalbjahr 2009 gebaut werden soll, einen gebührenden Platz in Sinners Ausführungen ein.

Umfangreich und viel Erfreuliches berichtete der Nationalparkleiter aus dem Bereich Forschung. Im Rahmen des komplexen Projektes „BIOKLIM“, das - vereinfacht dargestellt - die Einflüsse von Klimaerwärmung und Borkenkäferbefall auf die Tier- und Pflanzenwelt dokumentiert, gibt es bereits erste und zum Teil erstaunliche Erkenntnisse. So wurde bei den Feldarbeiten die erste erfolgreiche Freilandbrut eines Habichtskauzes auf einem stehenden, abgestorbenen Baumstumpf entdeckt und bereits viele Käferarten, die als ausgestorben oder äußerst selten gelten, festgestellt. Das laufende Forschungsprojekt macht jetzt schon deutlich, dass dem Borkenkäfer eine Schlüsselrolle für die Biodiversität (Artenreichtum) zukommt. So wurde z. B. eine konstante Haselhuhn-Population auf den Windwurfflächen, die ideale Brut- und Versteckmöglichkeiten bieten, festgestellt, während z. B. im Schwarzwald diese kleinste Rauhfußhühner-Art vor kurzem ausgestorben ist.
Höchst Erfreuliches konnte der Nationalpark-Chef auch aus dem Luchs-Telemetrie-Projekt berichten. So konnte der altbekannte Luchs-Kuder Milan abermals gefangen und mit einem Halsbandsender ausgestattet werden.

Aus dem Sachgebiet Waldmanagement informierte Sinner sehr anschaulich mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation über die Borkenkäfersituation des Sommers, die Ergebnisse der Bekämpfungsmaßnahmen außerhalb der Kerngebiete, die Naturzonenerweiterung im Falkenstein-Rachel-Gebiet und die dort erfolgten Nachpflanzungen.
Demnach wurden in diesem Jahr im gesamten Nationalpark knapp 100.000 Festmeter Käferholz aufgearbeitet. Die deutliche Zunahme im Falkenstein-Rachel-Gebiet auf 44.000 Festmeter resultiert in erster Linie aus der Aufarbeitung des Käferholzes um die im letzten Jahr ausgeräumten kleineren Windwurfflächen und nicht aus den belassenen fünf großen Windwürfen. Allerdings, so Sinner, wird sich dort bei entsprechender Witterung im kommenden Jahr der Borkenkäferanfall erhöhen, weil der Käfer von den heuer zu fast 100 Prozent befallenen, liegen gelassenen Windwürfen (Befallsgrad 2007 = 40 %) auf die um jeden großen Windwurf angelegte 500 Meter breite Bekämpfungszone übergreifen wird.
Entgegen aller Vorwürfe aus dem Privatwaldbereich, die Nationalparkverwaltung sei für die angespannte Borkenkäfersituation im angrenzenden Privatwald verantwortlich, betonte Sinner, dass diese Vorhaltungen und Anfeindungen haltlos sind, denn die vom zuständigen Amt für Landwirtschaft und Forsten, Regen mitgeteilten Mengen an Borkenkäferholz entsprächen den ganz normalen Durchschnittswerten der von Kyrill und dem Trockenjahr 2003 geschwächten Fichtenwäldern in ganz Bayern. „Es ist schlichtweg abwegig zu glauben, die seit der Nationalparkerweiterung vor zehn Jahren insgesamt entstandenen 61 Hektar Totholzflächen im Falkenstein-Rachel-Gebiet, was ganzen 0,5 Prozent der Fläche entspricht, wären für die Borkenkäfersituation in den Privatwäldern des Zwieseler Winkels verantwortlich“, erklärte Sinner und fragte, wie denn dann der vergleichsweise niedrige Wert im Rachel-Lusen-Gebiet zustande käme bei einer Totholzfläche von mehreren tausend Hektar. Auch das immer wieder aufkeimende Unverständnis in der Bevölkerung: „der kleine Waldbesitzer wird bei unterlassener Borkenkäferbekämpfung bestraft, der Nationalpark darf dies aber im großen Stile tun“ sprach Sinner an und begründete dies in der unterschiedlichen Rechtslage: „Solchen Situationen begegnen wir alltäglich. So darf ein Grundstücksbesitzer auf seiner Wiese nur dann bauen, wenn diese innerhalb eines gültigen Bebauungsplanes liegt, andernfalls wird er ebenfalls zur Rechenschaft gezogen“.
In Bezug auf die per Nationalparkverordnung vorgeschriebene kontinuierliche Ausweitung der Naturzonen und Nachpflanzungen im Falkenstein-Rachel-Gebiet teilte Sinner mit, dass jetzt 50,2 Prozent des Nationalparks Naturzone sind, damit die nationalen Anforderungen erfüllt seien und auch die vorgesehenen unterstützenden Pflanzungen von Buchen-Wildlingen in naturfernen Fichtenbeständen in der Bergmischwaldzone erfolgt sind.
Sehr nachdenklich und besorgt zeigte sich Sinner angesichts der noch immer vorhandenen Negativ-Werbung Einzelner in der Region. Da wird in nicht abreißen wollenden Leserbriefen von Totholzwüsten und Höllenschlund geschrieben, während z. B. die weltweit renommierte Zeitschrift GEO in einer 23 Seiten umfassenden, reich bebilderten Vorstellung des Nationalparks Bayerischer Wald anlässlich des hier stattgefundenen Jubiläums „Geo-Tag der Artenvielfalt“ über die gleiche Situation von einem „Umbruch im Märchenwald“ und einem „Naturschauspiel wie in Kanada“ berichtet. „Beides ist Werbung für ein und dasselbe Gebiet, und es liegt auf der Hand, welche mehr Urlaubsgäste anlockt“, resümiert Sinner. Auch die sog. „Job-Studie“ über den Nationalpark als regionaler Wirtschaftsfaktor sprach Sinner an. „Sie enthält eine ganze Reihe interessanter Zahlen und Vorschläge, die es gilt, besser zu nutzen“. Prof. Job stellte in seinem Gutachten ganz klar die Vorteile des Nationalparks für die Region heraus. So kommen zehn Prozent der Übernachtungsgäste ausschließlich wegen des Nationalparks und für weitere gut 20 Prozent ist der Nationalpark ein wesentlicher Urlaubsaspekt gewesen. 13 Mio. Euro Mehreinnahmen ergeben sich dadurch für die Region. 1.150 Vollarbeitsplätze gehen auf das Konto des Nationalparks, und die von Prof. Dr. Job festgestellten 760.000 Nationalparkbesucher pro Jahr, die den Nationalpark während ihres Urlaubes meist mehrmals besuchen, sehen die natürliche Waldentwicklung nach großflächigem Borkenkäferbefall weit überwiegend positiv. Selbst im Falkenstein-Rachel-Gebiet glauben nur drei Prozent der Gäste, dass der Borkenkäfer dem Tourismus schadet, während dies gut 50 Prozent der einheimischen Bevölkerung meinen.

Zum Schluss des beeindruckenden Vortrages durch den Nationalparkleiter ehrte dieser zusammen mit Personalratsvorsitzendem Schwarz für ihr 40-jähriges Dienstjubiläum Hannelore Weinberger, für 25 Jahre im Dienst des Freistaates Karl Friedrich, Karl-Heinz Müller und Manfred Schwarz. Mit lobenden Worten und großem Applaus verabschiedet wurden, Oberamtsrat Erich Zitzelsberger (wir berichteten darüber) und Oberstudienrat Hans-Peter Dorn.
In seinem Schlusswort zitierte der Nationalparkleiter Mahatma Ghandi: „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Zukunft sehen willst.“

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