Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

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Einladung zum Wissenschaftlichen Vortrag

Slowakischer Braunbär (Foto Michaela Skuban)

Den slowakischen Braunbären auf der Spur

Vortrag von Michaela Skuban

Am Donnerstag, 15. Januar 2015 um 19.00 Uhr
Waldgeschichtliches Museum, St. Oswald
(öffentliche Veranstaltung, freier Eintritt)

Der Braunbär und seine Beziehung zu uns Menschen ist ein überaus komplexer Themenbereich, da nahezu alle Bevölkerungsgruppen irgendwie involviert werden. Michaela Skuban möchte in ihrem Vortrag einen facettenreichen Überblick über ihre 7-jährige Forschungsarbeit in der Slowakei geben, wobei sie unter anderem das interdisziplinäre Bärenbuch „Dem Braunbär auf der Spur“ schrieb und dafür den zweiten Platz des Yves-Rocher Umweltpreises für Frauen im Naturschutz erhielt. Ihr wichtigstes Forschungsziel war immer einen Weg für eine Koexistenz von Mensch und Bär zu finden, wobei beide Seiten mit ihren Bedürfnissen einen Platz haben sollen.

Der Braunbär ist einer der größten Bewohner der slowakischen Gebirge und Wälder, und definitiv das größte Tier, welches erfolgreich den Winter überschläft. Im Vergleich mit allen anderen tierischen Mitbewohnern kann man ihn als den „Menschenähnlichsten“ bezeichnen. Seine Pfoten Abdrücke gleichen menschlichen Fußspuren, er kann auf den Hinterfüßen stehen und sogar einige Schritte gehen, die Bärin säugt ihre Jungtiere gelegentlich im Sitzen, wobei sie den Nachwuchs in den Vorderpfoten hält, usw. Viele dieser biologischen Besonderheiten finden ihre logische Antwort in mythologischen Beziehungen, Volksglauben, Volksgebräuchen und Feierlichkeiten, wobei vieles heute bereits verloren gegangen ist. Jedoch findet man ihn zumindest teilweise noch in Märchen, Sagen und Geschichten, deren wahre Zusammenhänge sehr interessante Aufschlüsse über vorchristliche Vorstellungen des Menschen von sich und seiner Welt belegen können.

Gerade heutzutage kann sich der slowakische Bär nicht gerade der besten Reputation rühmen. Aktuelle Konflikte, ungelöste Streitpunkte und neue Probleme überschatten seine besondere Stellung und Indikatorwirkung eines Ökosystems. Somit kommen all die negativen Seiten der Koexistenz zu Wort, da nur eine neutrale und effektivere Lösung dieser Punkte, sowohl dem Mensch als auch dem Tier das Zusammenleben erleichtern würde. Nur ohne zu starke Ablehnung oder blinde Zuwendung kann eine Reduzierung des mittlerweile fast schon politischen Streitherdes „Bär“ von statten gehen. Der Bär plündert und raubt dem Menschen zumindest gelegentlich Teile seines „Hab und Gutes“, wie Getreide, Früchte oder Vieh. Er kann den Menschen verletzen und wesentlich ältere Teile des menschlichen Überlebensmechanismus berühren, als es allgemein bekannt ist.

Obwohl die „menschlich-habituierten“ Problembären, die bärigen Dorfbesucher und die schwierigen Containerbären ein Thema sind, was nicht nur relativ neu, sondern gelegentlich aufgrund menschlichen Fehlverhaltens oder seiner Existenz im Bärengebiet entstanden ist, schaden diese Zwischenfälle der gesamten Population. Nur gewissenhafte und diskussionslose Entfernung dieser Tiere aus dem Freiland wird sowohl Mensch als auch Bär helfen, leichter miteinander zusammenzuleben.

Wir hoffen auf eine spannende Diskussion.

Dr. Claus Bässler
Sachgebiet Naturschutz und Forschung